,62 Maschinen
ihn rasend, wozu jedoch auch seine Leidenschaft für hitzige Getränk«beigetragen haben mag. Der Unglückliche rannte durch die Straße»von Neapel, erschoß seine besten Freunde und beging die äußerstenAusschweifungen. Das Wölk, das in seinem Retter einen neue»Unterdrücker zu sehen glaubte, und durch seine Gegner wider ihnaufgebracht wurde, strömte haufcnwcis gegen ibn, jauchzte demBicekdnig Beifall zu und verlangte Masaniello's Tod. Er floh in«in Carmeliterkloster; aber vier Verschworne, ehemalige Freund«von ihm, stürzten sich auf ihn und streckten ibn mit einer Kugel zuBoden (1647.) Der Leichnam wurde von dem wüthenden Pöbelgemißhandelt. Bald aber äußerten sich die wahren Gesinnungen desVicekdnigs, und als eines Tages die Brote ungewöhnlich kleinwaren, fürchtete das Volk die Erneuerung der vorigen Bedrückun-gen und sing die Unruhen wieder an. Man gedachte jetzt des Mär-tyrers der Freiheit, den man selbst aufgeopfert hatte. Seine Mör-der wurden ein Opfer der Volkswuth, sein Körper aber mit denhöchsten Ehrenbezeigungen und zugleich unter dem schrecklichsten Tu-mult begraben und einige Zeit für heilig gehalten, Neapel bliebnoch länger der Schauplatz unruhiger Auftritte; aber das Volkrichtete nichts weiter aus. — Meißner hat diese Begebenheit i»der Form eines Romans behandelt.
Maschinen nennt man in den Werken der epischen und dra-matischen Poesie alle jene außerhalb des Kreises unserer Erfahrunghergenommenen Wesen, als da sind Götter, Engel, Teufel, abge-schiedn« Geister, Zauberer, Feen u. s. w., durch deren Einführungtheils das Wunderbare der Darstellung erhöht, theils der sonst nichtlösbare Knoten gelös't werden soll. Der Ausdruck schreibt sich vonder griechischen Bühne her, auf welcher zu solchem Behuf Götterund Göttinnen gewöhnlich in Flugmaschinen erschienen. So z. V.in dem Ion und dem Hippolytos des Euripidcs. Horaz schon gabden dramatischen Dichtern seiner Zeit den guten Rath: Auch sollkein Gott sich in die Handlung mischen, wofern der Knoten sei»«Iwischenkunft nicht unvermeidlich macht, und dessen würdig ist.Wenn man daraus schließt, daß sich, was die Ästhetiker Maschinenennen, eigentlich nur auf die Entwickelung des Knotens beziehe,so hat man ganz Recht. Indeß hat man den Ausdruck weiter aus-gedehnt, und ihn besonders aus das epische Gedicht bezogen, worinman alle darin mitwirkenden höheren Wesen Maschinen nennt.Man hat gefragt, ob diese dem Epos wesentlich seyen oder nicht.Weil sie in den epischen Gedichten Homers vorkamen, glaubte manso fest an ihre Unentbehrlichkeit, daß man, allem Volksglauben zu-wider, lieber durch die kältesten personisicirten Abstracta Kälte überdie ganze Darstellung hauchte, als sie wegließ. Daß dies geschehenkönne ohne alle Beeinträchtigung, ja zum Vortheil eines epische»Gedichtes, hat uns Göthe's Herrmann und Dorothea gezeigt. Nurwürde man von der andern Seite wieder zu weit gehen, wenn mangleich behaupten wollte, sie müßten überall wegbleiben. Alles aber,was in diese. Beziehung von ihnen gesagt werden kann, gehörtunter den Art. Wunderbar. Ob Maschinen bei uns im Dramagebraucht werden dürfen, hängt wohl von dem behandelten Stoffeab, ob dieser aus dem Kreise der Religion, der romantischen odernatürlichen Welt genommen ist. In Stoffe aus der natürliche»Welt sie einzumischen, wird immer etwas Anstößiges behalten. Aesr