Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
173
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Massillon 17z

Staatsmann nie ihren Werth verlieren. Übrigens lebt der Obristvon Maffenbach seit seiner Gefangennehmung im Privatstande. I.ll.

Wassillon (Jean Baptiste), geboren im I. iü6g zu Hw-resin der Provence, trat 1631 in die Congregation des Oratoriums,und gewann sich die Herzen allenthalben, wohin er geschickt wurde,durch sem einnehmendes Betrage«, wie durch seinen Geist und sei-nen Charakter. Aber er zog dadurch auch den Neid seiner Mckbrü-der auf sich; man beschuldigte ihn einiger Intriguen mit Frauen,und suchte ihn aus der Congregation zn enttarnen. Wirklich soller sich auf einige Monate in die Abtei von Saint-Fonds zurück-gezogen haben. Der Beifall, den seine Leichenrede auf den Erzbi-schof Henri de Billars allgemein fand, bewog den damaligen Ge-neral seiner Congregation, La Tour, ihn nach Paris zu berufen.Er mußte gehorchen und gegen seine eigentliche Neigung die Kan-zel besteigen, auf der sein Genie bald in seiner ganzen Eigenthüm-lichkeit sich entwickelte, ohne von den großen Kanzelrednern, die»eben ibm glänzten, und unter denen Bourdaloue einer der ausge-zeichnetsten war, etwas anzunehmen. Da er wohl einsah, daß dieWahrheiten der Religion ein frommes, für sie empfängliches und«on ihnen durchdrungnes Herz verlangen, um diejenige Rührunghervorzubringen, die, indem sie den Menschen auf sich selbst zu-rückführt, die Keime des Guten weckt, und daß da, wo ein solchesHerz fehlt, alle Dialectik sich vergebens bemüht, sprach er mit je-ner mächtig ergreifenden Einfalt, der nur gänzliche Gefühllosigkeitwidersteht. Auch entging es Ludwig dem XIV. nicht, daß Massil-lo» sich von allen andern Predigern unterscheide, und als er zumersten Mal im Advent zu Versailles gepredigt hatte, sagte der Kö-nig zu ihm: ,, Wenn ich andre Prediger gehört habe, war ich sehrwohl mit ihnen zufrieden; aber da ich Sie gehört habe, bin ichsehr unzufrieden mit mir selbst gewesen." — Seine Dcclamationtrug nicht wenig zu der Wirkung seiner Worte bei. Mit scheinba-rer Kunstlosigkeit, ja Nachlässigkeit, rührte und belehrte er siche-rer, als Andre durch einen pathetischen Vortrag, dessen Erkün-steltes der Zuhörer oft mit Widerwillen wahrnimmt. Der berühmteSchauspieler Baron brach einst am Schluß einer Predigt Massil-lons, der er beigewohnt, in die merkwürdigen Worte aus: „Dasist ein Redner, wir sind nur Komödianten." — Im Jahr 1704erschien Masstllon zum zweiten Mal am Hofe und fand denselbenBeifall wie das erste Mal. Der König sagte ihm, daß er ihnalle zwei Jahre zu hören wünsche. — Seiner philosophischen undfriedliebenden Gesinnungen wegen wurde er gewählt, um den Car-dinal Noailles mit den Jesuiten wieder zu versöhnen; allein ermißfiel beiden Parteien und machte die Erfahrung, .daß es leichtersey, Sünder zu bekehren als Theologen auszusöhnen. Der Re-imt, der sein Verdienst kennen gelernt hatte, ernannte ihn 1717ium Bischof von Clermont. Er würde dies Amt nicht haben annehmenkönnen, wenn nicht ein Freund die damit verbundnen Kosten be-zahlt hätte. Als er im folgenden Jahre vor Ludwig XV., der erstneun Jahre alt war, predigen sollte, verfaßte er jene unter demTitel llerit-L-kLms (Fastenpredigten) bekannten Reden, die einMeisterwerk der Kanzelberedsamkeit sind. Unter den wichtigenWahrheiten, die er darin einschärft, ist auch. die: daß nicht dieKarsten, sondern das Gesetz üher die Völker herrschen solle; daß er-nur die Diener und Bewahrer des letztern sind; daß die Böl-