Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
278
JPEG-Download
 

278 Mercur

übergehenden Jüngling bar; mit keimendem Barte, Flügelschuhen,und einem Stäbe in der Hand, als Herold und Gesandten derGötter; er führt die Seelen der Abgeschiedn«» zur Unterwelt, undist also auch der Herold des Pluto und der Vollstrecker seiner Be-fehle. Sein magischer Stab hatte die Kraft, der Sterblichen Au-gen zu schließen und die Schlummernden wieder zu erwecken. Diezu einem Herold erfoderlichen Eigenschaften besaß er in höchsterVollkommenheit und verlieh sie: Anstand, Würde und Gefälligkeit,ferner war er auch das Symbol des menschlichen Verstandes, derKlugheit, List, des Betruges und sogar des Meineides. Man mußsill) dabei wohl erinnern, daß das rohe Alterthum nicht das Enteh-rende und Niederträchtige mit diesen Begriffen verband, )vie wir.Wer sich in Listen und Ranken auszeichnete, wie z. B. Ulysses, war einLiebling Mercurs und erfreute sich seines Beistandes. Auch als derGott des Stehlens wurde Merkur angesehn, besonders wenn Listund Klugheit dabei angewendet oder es heimlich verübt wurde.Eine solche symbolische Bedeutung hatten schon die Unternehmungenseiner Kindheit, und aus seinem männlichen Alrer gehöre» hiehernoch folgende, die von seiner Klugheit zeugen. Er begleitete, drnHercules,^als dieser den Cerberus entführte; rettete mit dem Ägi-pan den Jupiter aus der Höhle, wohin ihn Lyphon gelegt hatte;stahl- den Mars aus dem Gefängniß, in welches ihn die Aloiden,Blus und Ephialtes, eingeschlossen hatten; tödtete den Argus, denWächter der unglücklichen Jo; stand dem Perseus bei, als er dieMedusa zu tödten ausging, und lieh ihm den unsichtbarmachendenHelm des Pluto und die Flügelschuhe; der Nephele, der Mutterdes Phryxus und der Helle, gab er den Widder mit goldenem Felle,auf dem sie ihre Kinder entführte, da sie auf Anstiften ihrer Stief-mutter Jno den Göttern geopfert werden sollten. Im Giganlen-kriege trug er den nnsichtbarmachenden Helm des Pluto und erlegteden Hippolytus. , Als Lyphon die Götter zwang, sich vor ihm zufluchtcn und in Ägypten zu verbergen, verwandelte er sich in einenIbis. Auch als Rcdckünstler erscheint er schon bei Homer, nochdeutlicher aber bei Hestod. Bon seinen Erfindungen findet sich derHomer noch nichts. Spätere schreiben ihm die Erfindung der Wür-fel, der Musik, der Erdmeßkunst, der Auslegung der Träume, desMaßes und Gewichts, der Fechtkunst, der Buchstaben u. s. w. zu-Liebschaften von ihm erzählt die Fabel mehrere; unter andern warer der Vater des Pan. Mercur wurde in allen griechischen Städ-ten verehrt; der HauptsiH seiner Verehrung aber war Arkadien-Seine Feste hießen Hermäa und wurden auf verschieden« Weise ge-feiert. In Rom hatte er mehrere Tempel und sein Fest wurde deniZten Mai (welcher Monat von seiner Mutter Maja den Namenführen soll) gefeiert. An ihm brachten vorzüglich die jKausteutedem Mercur Opfer, damit er ihnen im Handel Gewinn verlei-hen und ihre Unternehmungen beglücken möchte. Die Kunst stelltden Mercur verschieden dar. In den Denkmalen des alten Styl»erscheint er noch bärtig; späterhin ward von ihm die Idee einesgewandten Herolds und Athleten herrschend, und nun bekam er eineÜberaus jugendliche Bildung. Doch auch bei diesem letzter» Idealbehielt sich die Kunst einen Spielraum vor: sie bildete ihn alsKnaben, im anhebenden Jünglingsalter, und dann in der vollenKraft männlicher Jugend. Bei dem Knaben bemerkt man Mj«>e>>den lockigen Haaren zwei vortretende Flügclchen; das Kleid bestes