Mirabeau (Horror« Gabriel Victor Riquetti) 35 r
" ließ er das Weinhaus nicht eher, als bis alles, Geld oder Wein,
i rerthan war. Man nannte ihn nur den Sancho Pansa der Emi-
" grirten. Luch hieß er seiner unförmlichen Leibesstärke und Lrunk-
t liebe wegen das Faß, oder Mirabeau-Tonncau. Sein älte-
» rer Bruder, der Graf von
Mirabeau (Honorc Gabriel Victor Riquctti), übertraf ihnf weit an Talent und Thätigkeit. Dieser kühne Reoner, den der
f dritte Stand zu seinem Deputirten in der ersten Nationalversamm-
lunz gewählt hatte, wurde durch die hinreißende Kraft seinesWorts der Hebel der französische» Revolution. Neckers kurz-
- i sichtige Entwürfe waren die Unterlage dieses Hebels, dessenk , Ruhepunkt das Deficit und dessen Gewichte die herrschen-
- den, oder die in Umlauf gesetzten Ideen genannt werden können;
d der durch jenen Hebe! hervorgebrachten Bewegung der cevolutio-
- naren Masse gab aber nicht Mirabeau, sondern Ticyes die be-t ' stimmte demokratische Richtung. Mirabeau wollte endlich ein-° greifen, und die gefährliche Richtung hemmen; aber es war zu spät.
Da erkannte er den bösen Dämon der von ihm zuerst aus den dun-^ kein Liefen eines leidenschaftlichen, mit Haß und feindlichen Be-
- gierden erfüllten Gemüths hervorgerufenen Revolution; er rief das
' prophetische Wort aus: revoiution >lo b"r«nc« kera !s rour ü»
' l'Lurozic. — Gründe genug, um das Leben und den Charakter die-
° sis auch als Schriftsteller ausgezeichneten Mannes genauer zu be«
! trachten. Mirabeau (geb. 174c, zu Egreville in der Provence,
" i gfst. zu Paris den 2tcn April i/yi) stammte aus einer Familie,' die durch Waffen und Wissenschaften berühmt ist. Die Natur gab
s ihm heftige Leidenschaften zu dem Körperbau eines Athleten. Lei-
' denschaftlichkeit war überhaupt das Erbtheil seines Namens; daher
' seine Gewalt über ein reizbares Volk, wie das französische. Die
, Erziehung hätte aus ihm einen großen Mann machen können, wie
° i sie Athen und Rom in den schönsten Tagen ihrer Freiheit sahen;° 1 »ber man hemmte den Aufschwung seines Geistes und verschrot» die Ent-
- Wickelung seiner Kraft: daher ward er nur berühmt. In ihm
' ?« I ganzes Leben hindurch diese Mischung von verunglückter
«roßc und eitler Berühmtheit, gespornt von sinnlicher Genußgier.' Bas Unglück entwickelte sein Genie und seine Verdorbenheit. Es' ^ war der Eurysthcus dieses He r cules d e r Re v 0 luti 0 n. Sein, Aater, der bei mittelmäßigen Anlagen die Härte eines Sectenhaupts' ^ mit dem Stolz eines Autors vereinigte, stachelte und verwundete' ! »äs Gemüth des Knabe» durch eine eifersüchtige launisch strengeund widersprechende Behandlung; doch gab er ihm in den frühernfahren eine» geschickten Mann, Namens Poiffon, zum Lehrer. Die-, ich unterrichtete zugleich auch seinen Sohn, den m der Folge durch
' tuuge Schauspiele bekannt gewordnen „Lachabeaussiere; letzterer
nannte sich späterhin als Verfasser einer Übersetzung des Tibull, die! , stst iungen Mirabeau zuschrieb. Mit Lust und Leichtigkeit
j >Nkd Mirabeau viele körperliche Übungen; für seine physische Eczie-
> wurde besser als für die moralische gesorgt. So wuchsen mit
. ^ °re heftigsten Leidelischasten auf; uni> Spiel und Fcauenlicbe
. "u chn späterhin zum Sclaven sinnlicher Lust, die sich «n sei-
^ . Muhenden Einbildungskraft entzündete. Im vierzehnten Jahre
> l er seinen Lehrer, der ihm Kenntniß der Ciassiker und eifri-
di«> ."stich nach fernerem Unterricht eingeflößt hatte; er studlrto^ «auf ,n einer Pension zwei Jahre lang Mathematik, wo er zu-