ZZ8 Mirabeau (Honors Gabriel Victor Riquctti)
den Mißbrauch der königlichen Gewalt gerichtet, als gegen diese Ge-walt selbst. Er war Royalist aus Grundsatz. Wenn er daher Geldvom Hofe annahm, so zeigte er zwar nicht das Ehrgefühl einerBiedermanns, handelte aber doch nicht gegen seine Überzeugung.Nur verlangte der Hof zu viel von ihm, ja durchaus unmöglicheDinge, und zwang ihn dadurch selbst, sich von der Hofpartei z»entfernen. Als Redner war er groß; doch sich ungleich und oft in-correct. Biete seiner Reden sind allerdings nicht von ihm, aberüberarbeitet hat er sie gewiß. Durch sein Genie machte er alles zuseinem Eigenthum. Mitten in dem Aufsieden der Parteiwuth er-kannte er die Gefahren der Anarchie. Mehr als einmal sagte er-,, Es ist nur ein Schritt vom Capitel zum tarpejischen Felsen?Überhaupt liebte er die Freiheit ungefähr nur so, wie einst die Gis-sen die Religion. Seine kühne Beredsamkeit zeigte zuerst derRcichsvcrsammlung das Geheimniß ihrer Kraft und die Schwächtdes Hofes. ,, Sagen Sie Ihrem Herrn," erklärte Mirabeau dr»üzsten Juiri i78y,Ldem Ober-Ceriiponienmeister, welchen der Königabgeschickt hatte, um die Sitzung der Versammlung aufzuheben, niiifestem Tone, „daß wir hier versammelt sind im Namen des Volks,und daß uns nichts von dieser Stelle vertreiben kann, als das Be-sonnet." Schon damals hatte der Herzog von Orlcans eine Partei;aber Mirabeau durchschaute den Herzog, und konnte sich nimmeran diesen ehr- und rechtlosen Mann von kleinem Herzen und mige-meßner Ehrsucht anschließen, der nichts mit Catilina gemein hatte,als Sittenloskgkeit. Er wollte anfangs keiner Partei angehöre»,sondern allein die Versammlung lenken und den Hof bekämpfe».Doch bald bewog ihn sein zerrütteter Vcrmögenszustand, sich dwHof und den Ministern zu nähern. Er hatte mit Necker» ei»eUnterredung, der ihn aber trocken empfing, auf nichts einging, mbspäter gewisse Geldversprechungen nicht erfüllt haben soll, daher ih»Mirabeau bis an seinen Tod unversöhnlich haßte. Vergeblich suid«er hierauf Zutritt beim König und der Königin. Den Ruf sei»"Talente überwog sein lasterhaftes Leben. Da buhlte er um duGunst des Pöbels. Er wußte, daß Orleans diesen gegen den Königaufwiegelte; daher wollte er beim Volke sich geltend und dadurchdem Hofe sich nothwendig machen. Auch riefen die Weiber, welcheden zten Oktober von Paris nach Versailles zogen: „ wo ist unserGraf Mirabeau? Und nur er konnte diese Bacchantinnen, welche >»dem Saale der Nationalversammlung die größten Ungebührnisse be-gingen, durch sein mächtiges Wort zur Ruhe und Ordnung brin-gen. Endlich als die königliche Familie in Paris war, entschlafsich der König, Mirabeau zu sehen. Der Graf de la Marck unter-handelte mit ihm in des Grafen de Marci Namen. Ein ErzbiMführte Mirabeau'n in die Zimmer der Königin, wo bald daranauch der König eintrat. Mirabeau bat sogleich den König, ihm i»sagen, ob er hoffe und wünsche, seine vorige Regicrungsgewall wie-der hergestellt zu sehen; in diesem Falle, bekannte er frei, könne»ihm keinen Dienst erzeigen. Der unglückliche Monarch gestand ihr»,er halte dies für unmöglich. Run schilderte ihm Mirabeau dieder Dinge, die verschiednen Ansichten der Nationalversammlung,und entwickelte die Art und Weise, wie er dem König dienen kann ^Die Königin äußerte sich nachher, daß sie beim Eintritt bRirabean °einen Schauder gefühlt, daß aber seine Beredsamkeit, sein Amvan der Sache und sein Mitgefühl den ersten Eindruck bald vermie-
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