Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
363
JPEG-Download
 

Missionen 36z

zu studiren. Nachdem er zwei Jahre darauf verwendet hatte, fühlteer einen Widerwillen gegen die Fortsetzung dieser Studien; dagegen

> zog ihn seine Neigung zur Philosophie und zu den Geheimnissender Natur und Wissenschaft. Seine Wißbegierde zu befriedigen,bereiste er Italien und Frankreich, besuchte die berühmtestenSchulen und hörte die ausgezeichnetsten Lehrer. Nach sieben Jah-

^ ren des anhaltendsten Fleißes ging er nach Rom und machte 930

> verschleime Theses aus allen Wissenschaften und gelehrten Sprachen! besannt, die er nach damaliger Sitte öffentlich vertheidigen wollte.

. Er federte alle Gelehrte aus allen Ländern auf, sich mit ihm zu

messen, urd erbot sich sogar, den Fremden die Reisekosten zu er-sehen. Aber niemand wagte zu erscheinen; da man sich nicht ge-traute, ihn als Gelehrten anzugreifen, suchte man seine Rechtgläu-bigkeit verdächtig zu machen. Mirandola schlug diese Umgriffedurch seine , 4 .pc> 1 o§ia zurück, ein Werk voll gründlicher und wohlgeordneter Gelehrsamkeit. Um seinen Feinden, die mit Beschuldi-gungen und Anklagen nicht abließen, so viel wie möglich jedenAnlaß zu rauben, entschloß er sich, obgleich er für die Liebs und>hre Genüsse nicht unempfindlich war, die strengste Lebensweise zu, befolgen und sich ausschließlich mit den Wissenschaften zu bcschäfti-gen. I» Folge dieses Beschlusses warf er fünf Bücher italienischerCebesgedichte ins Feuer, deren Verlust allerdings zu bedauern rst.Es hat sich in dieser Gattung nichts von Mirandola erhaltenals kin Commcntar über eine Eanzone des Girolamo Bcnivieni,worin er die Liebe nach den Begriffen der Neu-Platoniker darstellt.Mirandola widmete sich dem Studium der biblischen Literatur; die^ste Frucht desselben war der Heptaplus, eine, mystische oderkabbalistische Auslegung der Schöpfungsgeschichte. Zwei Jahredarauf gab er eine Abhandlung in zehn Capiteln Us Rnrs erCno heraus, worin er die Lehren des Plato und Aristoteles zuvereinigen suchte. Er lebte jetzt abwechselnd zu Ferrara im Um-gänge mit den gelehrtesten und ausgezeichnetsten Männern seinerseit, namentlich des Lorenz von Medici und Polizian, und war»nt großen literarischen Arbeiten beschäftigt, zu denen sein Werkgegen die Astrologie als eine Vorarbeit anzusehen ist, als ein Fie-ber ihn befiel, an welchem er 1^94 zu Florenz in seinem Zisten Lc-bensiahre starb. Pico von Mrrandola wird von seinen Zeitgenos-sen als ein Wunder von Gelehrsamkeit und Genie gepriesen. Pau-lus Jovius sagt von ihm, daß die unsterblichen Götter alle selten-sten Gaben des Körpers und Geistes in ihm vereinigten, und Hie-ronymus Savonarola sagte einst in einer öffentlichen Disputation,i M welcher er sein Dpponent war: lliiirs cu es, kico, asrnrs iioscra,ßur omniuin vetoruiri plclsosoplrirm .10 reli^ionis Lirrisrianaopissceprs er IsAss xorcalless. Wir werden bei dem Anblick seinerSchriften nicht eben so urtheilen, wenn wir uns nicht zugleich anden damaligen Zustand der Wissenschaften, besonders der Philoso-phie, erinnern.

Missionen, Sendungen, wurden vorzugsweise die zur Pflan-zung des Christenthums unter nichtchristlichen Völkern unternomm-nen Sendungen christlicher Lehrer genannt. Schon in den erstendes Christenthums gingen oft Christen, entweder aus eignemxz »der im Auftrage ihrer Gemeinden, in nahe und ferne^ das Evangelium zu predigen, und, abgesehen von wenigen»zelnen Fällen, ist das Christenthum stets nicht durch die Waffen