Mittelalter
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später für Geld auch Andere die Aufnahme i» eine Aunft, derenHantirung sie weder kannten noch ausübten. Denn diese Zünftewurden im i4ten Jahrhundert so stark und mächtig, daß sie diektadtregicrungen, die bis dahin eingcwanderte Adelige fast alleinm Händen gehabt, fast überall ausschließlich an sich rissen, und denLdel lehrten, wie es ihm, der zum Flor der Städte durch keinenGewerbfleiß beitrug, nicht zieme, ihren Schutz und Frieden zu ge-nießen, «der gar sie zu beherrschen. Der Adel, so weit er nachdielen Umwälzungen in den Städte» blieb, wahrte sich ebenfallsdurch Zusammentreten in nähere Verbindungen (Geschlechterge-sell schaft e n), und der Landadel bildete große Bündnisse gegendie Macht der Städte (s. d. Art. Landfrieden). Überhauptwurde das Gildenwescn, das den Bessern das einzige Gegenmittelgegen die Unordnung der Zeit schien, so allgemein, daß man fastnirgends Menschen von gleicher Bestimmung und Lebensart antraf,die nicht auch sich enger verbunden und gewisse Gesetze und Ord-nungen unter sich beliebt hätten. Selbst die Wissenschaften muß-ten in der Universitätsverfassung, in dem Durchlaufen akademischerGrade, diesem Geiste huldigen, und selbst die freien Künste legtensich im spätern Mittclalter den Zunftzwang an (s. Meistersän-ge!), wodurch denn freilich Wissenschaften wie Künste hinter derVollkommenheit, die das freie Leben der Städte, ihr Element, ihnenzu verbürgen schien, weit zurückblieben; denn nichts ist ihnen hinder-licher, als jene Pedanterei, jene Bann - und ZwangSrechte, jene ab-göttische Verehrung des Herkommens, die der Gildenzwang mit sichführt. Eben so hatte auch die merkwürdigste Anstalt jenes Zeital-lers die charakteristische Blüthe seines ganze» Wesens, die Rit-terschaft, alle Eigenheiten zünftischer Verfassung. Der Krieg wardas Gewerbe des Adels. Wer aus ihm nicht Ritter war, durste nichteine Lanze führen und Reiterei befehligen, und nur Jahre langer Kriegs-dienst als Knecht oder Knappe gab auch dem Höchstgeboten auf denRitterschlag Anspruch. Aber Knecht, Ritter und Bannhcrr warenerfüllt von demselben Geiste der Ehre, des Stolzes, der Liebe und derAndacht. Wie sehr die Ehre dem kraftstolzcn Germanen das Höchstewar, so waren jene enthusiastischen Menschen doch auch nicht wenigerdurchdrungen von liebevoller Hingebung an die Religion und von gleich-st« religiöser Liebe und Ehrfurcht für die Frauen. Jene ergreift, be-sonders in der Gestalt, die sie damals, dem Zeitalter sich anschmiegend,gewann, mächtig jedes schwärmerische Gemüth, und die Frauen hochi>i achten war uralte germanische Sitte. Wie konnte also jene Krie-gercaste der Edeln anders, als Armund Schwert Gotte, der Ehreund den Frauen widmen, und in den Zeiten der Waffenruhe, nebe»herzlicher Frömmigkeit und kriegerischen Übungen, jene edle Sitteüben, die man, als von der Tapferkeit unzertrennlich, mit gleichbe-deutendem Namen Galanterie genannt hat (t. Ritterwesen)? —Der Enthusiasmus des Mittelalters für die Religion zeigte in seine»Wirkungen Dinge, deren Möglichkeit unsre Kühle kaum begreifenrann. Hier sehen wir Hunderte von Jünglingen und Jungfrauen inder krältigsten Lebensblüthe in finstere Mauern sich einschließen,oder in wilde Einöden sich zurückziehen, um ihre Lebenszeit mit Be-ten und Kasteiungcn zuzubringen; wir sehen jährlich Tausende bar-Mß und fastend viele hundert Meilen weit über Land und Meer pil»Lern, um an dem Grabe des Herrn ihm betend zu dienen; wir sehenMenschenalter zu Menschcualtcr Hunderttausende mit Kreuz und