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Mittelaltev 8? 7
Dolkspoeste, «ls selbstständr'ge Dichter, treuherzig' aus voller Brustertönen ließen, was der Verstand dem Gemütbe, der vorherrschendwirksamen Kraft in ihren Werken, unwillkürbch folgsam nachsprach.Unter den bildenden Künsten des Mittelaltcrs zeichnet sich beson-ders die Baukunst aus durch völlige Eigenthümlichkeit und Origi-nalität. Wenn in den herrlichsten Bauwerken des Alterthums dieForm des ersten rohen Wohnhauses, und somit die Entstehung ausdem Bedürfniß unverkennbar ist, wenn ste nur als eine Befriedi-gung des letztem unter schöner gefälliger Form erscheinen und nichtsseyn wollen, als eben schöne Gebäude; so liegt dagegen das Wesender sogenannten gothischen Baukunst in einer tiefen großen Idee,die sie wahrhaft darstellt und symbolisier. Der deutsche Eichen- undBuchenwald mit seinen schlank emporstrebenden, unten und oben ineinen unendlichen Reichthum von sich verschlingendem Geäste ausge-breiteten Stämmen, war das'Vorbild der Bildner, die die Domezu Mailand und Cöln, den Münster und, die Westminsterabtcischustn, und die tiefere Idee, die in der architektonischen Vereini-gung der Erhabenheit großer Massen, und der sorgsamsten Zierlich-keit im Einzelnen sich deutlich aufspricht, war die Darstellung desWeltalls selbst. Die ander» Künste, die erst im i-sten und igtenJahrbundert aus Griechenland ins Abendland kamen, sah das Mlt-telaller nur in der Kindheit. Die schwächste Seite des Mittclal-ters ist die wissenschaftliche. So wollte es aber der jugendlicheGeist jener Zeit; denn jene einzig auf Thaten gerichtete Menschentaugten schlecht zum sitzenden Leben, zum anhaltenden, emsigenStudium. Die Bemühungen, die Carl der Große der Beförderungund Aufmunterung wissenschaftlichen Strebens und der Vermehrungder Woikscultur widmete, wirkten kaum seine Lebenszeit hindurch;den» sie waren nicht an der Zeit. Mehrere Jahrhunderte langnach ihm siel es dem germanischen Mann nicht ein, daß über dieKunde, seine Lanze zu führen und sein Roß zu leiten , irgend eineKenntniß ihm etwas frommen könnte. Diese Barbarei ging so weit,daß die meisten Laien, die Vornehmsten nicht ausgenommen, kaumlesen und schreiben konnten. Wer dieses gelernt, galt für einenbedeutenden Gelehrten, und wer, zu seltner Ausnahme, mehrereKenntnisse, besonders etwa in der Mathematik und Naturkunde,sich erworben, der lief Gefahr, als ein Zauberer und Hexenmeisterverbrannt zu werden. Die Mönche allein wurde» durch Einsam-keit und Langewei>e, so wie durch das Bedürfniß einiger Kundeder'lateinischen Sprache, welches der römische 'Ritus mit sichbrachte, zu einer Art von wissenschaftlicher Beschäftigung getrieben,k» der sie i„ Dom- und Klvsterschulcn angeleitet wurden. Aberchre literarischen Arbeiten beschränkten sich auf das Abschreiben al-ter Schriftsteller, doch mehr noch der Kirchenvater, und ihre Her-vorbringungen auf meist magere gedankenlose Chroniken damaligerEreignisse. Gleichwohl sind wir für beider Art Arbeiten, da es antüchtigern Handen dazu fehlte, ihnen Dank schuldig. Durch ihrenöleiß sind die kostbaren Überreste des Alterthums, Materialien undAnregungen zu neuer Bildung, wenigstens größtentheils uns erhal-ten worden, und aus ihren Annalen schöpfen wir die einzige Kundevon den Begebenheiten und Sitten damaliger Zeit. Da das Mit-«lalter nur eine Periode in der europäischen Geschichte ist, nicht inder des ewig jungen, und doch wieder seit der Jugend alten, un-wandelbare» Morgenlandes, so übergehen wir die wissenschaftlichen