Moldau 891
st«, ihrer Ehre ihre Freiheit zu erlange»; da sie sich aber darin ge-täuscht sahen, widerriefen Molay und Guy ihre Aussagen. Siewurden izi4 lebendig verbrannt. Molay betrug sich als ein christ-licher Held auf dem Schaffet, und sprach mit lauter Stimme fol-gende Worte: „Es ist billig, daß ich an einem so schrecklichen Tageund in den letzten Augenblicken meines Lebens die ganze Abschcu-lichkeit der Lüge enthülle und der Wahrheit den Sieg verschaffe.Ich erkläre dem gemäß im Angesicht des Himmels und der Erde,und bekenne, wenn auch zu meiner ewigen Schande, daß ich dasgrößte aller Verbrechen begangen, indem ich diejenigen Verbrecheneinräumte, die man mit so vieler Bosheit einem Orden aufbürdet,welchen als unschuldig anzuerkennen mich die Wahrheit nöthigt.Ich habe die Erklärung, die man von mir verlangte, nur gegeben,um die ungeheuern Qualen der Folter zu vermeiden, und um die-jenigen zu beugen, die sie mir auferlegten. Ich weiß, zu welchenEtrafen man diejenigen verurtheilt hat, welche den Muth gehabthaben, ein ähnliches Bekenntniß zu widerrufen; aber das scheuß-liche Schauspiel, das man mir vor Augen stellt, kann' mich nichtvermögen, die erste Lüge durch eine zweite zu bekräftigen. Untereiner so ehrlosen Bedingung verzichte ich auf das Leben, das mirbereits nur zu verhaßt ist. Was könnte es mir helfen, traurigeTage zu verleben, die ich nur der Verleumdung dankte?"— DieseReoe überzeugt Alle, daß er unschuldig sey. Neuere Geschichtschrei-ber berichten, jedoch ohne Beweis, daß er den Papst Clemens bin-nen vierzig Tagen, und den König in Jahresfrist vor den Rich-terstuhl Gottes geladen habe. Beide starben allerdings innerhalbdieser Zeit. — Es ist übrigens ausgemacht, daß bei der Aerstö->rung des Tempelhcrrnordens viele Unschuldige das Opfer des Stol-zes und Übermuths ihrer Oberhäupter wurden. Die Unordnungen,deren man sie anklagte, waren zum Theil übertrieben, zum Theilganz ungegründet, und dienten nur zum Vorwand. Ihr Haupt-verbrechen war, sich verhaßt und furchtbar gemacht zu haben, undohne Zweifel hatte Habsucht und Rache mehr Antheil an ihrer Bestra-fung als Gerechtigkeit.
Moldau, eine große Landschaft, welche gegen Norden an denDniester und an Podolien, gegen Süden an die Donau und Bul-garien, gegen Westen an Siebenbürgen und die Wallachei, undgegen Osten an Beffarabien und das schwarze Meer gränzt. Siewird in die obere und untere Moldau, und in andrer Rücksicht indie fürstliche (die aus 17 Zenuzy oder Statthalterschaften besteht),d>e österreichische (Bucowina) und die türkische MoldauMb in Bxssarabien eingetheilt. Den Türken gehören unmittcl-»ar die beiden Bezirke um Chotin und Wender zur Versorgungmeser Grenzfestunge», und ganz Beffarabien, welches daher vonEinigen nicht mit zur Moldau gerechnet wird. Alles übrige stehtunter dem Hospodar und zählt auf igoo Quadratmeilen 8c>c>,nvoEinwohner. Obgleich ein großer Theil des Landes wüst liegt, sojß doch bei der Fruchtbarkeit des Bodens die AuSfuhr beträchtlich.Man rechnet, daß jährlich 40,000 gemästete Ochsen, ic>,c>cx> Pferdeund 2- bis zoo,c>oc> Schafe, ferner Honig, Wachs, Getraide, Holz,^alg, Häute, Pelzwerk, geräuchertes Fleisch, Käse, Butter, La-dak, Wein und Salz, zum Theil in großer Quantität, ausgeführtwerden. Das Salz wird gegraben; dieselben Berge zeigen auch«puren von Gold, das aber nicht aufgesucht wird. Die Haupt-