Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
393
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Meliere (Jean-Baptiste Pocquelin be) war 7620 zu Pa-ris geboren. Sein Vater und Großvater waren als Kammerdienerund Tapezierer in des Königs Diensten gewesen, und auch er wurdediesen Geschäften bestimmt und erhielt eine dem anzemeßne Erziehung.Aber der Besuch des Theaters flößte ihm früh Neigung dafür ei».Er genoß in seinem vierzehnten Jahre den Unterricht der Jesuitenund machte schnelle Fortschritte. Gassendi, Chapclle, Bernier,Cyrrno waren seine Lehrer. Da sein Vater indeß schwach gewordenwar, mußte er da« Amt desselben bei Ludwig XIII. versehen. Erbegleitete den König im I. 1641 nach Rarbonne. Das französischeTheater begann damals aufzublühn durch die Talente des großenCorneille, der es aus der Niedrigkeit und Barbarei emporzog. Mö-llere (denn mit diesem Namen verwechselte er damals feineneigentlichen Namen Pocquelin, entweder aus Achtung für seine Ältern,oder nach dem Beispiel andrer Schauspieler seiner Zeit) gab diebtelle seines Vaters auf, und verband sich'mit einigen andern jungenLeuten, die wie er das Theater leidenschaftlich liebten. Gleiche Neigungführte ihn mit der Schauspielerin Bejart zusammen; beide bildeteneine Truppe, welche im I. 1652 zu Lyon den INonrsti aufführte.Dies ist die erste von Moliere in Versen geschricbne Komödie. DieWahrheit des Dialogs, die unerschöpfliche Gewandtheit eines Kam-merdieners, der die Sottifc» seines Herrn unaufhörlich wieder gutzu machen beschäftigt ist, das anziehende der Situationen, das ausdiesemContrast entspringt, haben dieses Stück ungeachtet seinerzahlrci-chm Mangel auf dem Theater erhalten. Moliere, zugleich Dichterund Schauspieler, erntete in beiden Eigenschaften gleichen Beifallund entzog einer andern Schanspielergesellschaft in Lyon fast alleZuschauer. Der Lrouräi, gefiel allgemein, trotz der Kälte der Per-sonagen, des Unzusammcnhangs der Scenen und der Jncorrectheitdes Styls. Man hatte damals nur Stücke voll unwahrscheinlicherJntrieguen. Die Kunst, Charaktere und Sitten auf der komischenKühne darzustellen, war Moliere aufbehalten. Diese Kunst, derenKeim sich schon im Troniäi zeigt, verbunden mit der Abwechselungder Ereignisse, erhielt den Zuschauer gespannt und verdeckte fast alleüchler. Mit gleichem Beifall wurde dies Lustspiel in Beziers gege-ben, wohin der Verfasser sich begab. Hier hatte der Prinz Conti,der Moliere auf der Schule gekannt, eben die Stände von Langue-doc versammelt. Er nahm den Dichter als Freund auf, und über-trug ihm nicht allein die Leitung der Feste,) die er gab. sonderndotihm auch eine Seeretärstelle an, Moliere lehnte sie mit der Erklä-rung ab, daß er ein leidlicher Schriftsteller sey, vielleicht aber einIchs schlechter Secretär seyn möchte. -ispic omoursnx undxrecisueos liäioule, erschienen auf dem Theater von Beziers undWurden bewundert. Die Ereignisse sind in der vopir amouionx:besser geordnet als in dem Krouräi, Man nimmt in dem Spielder Personen eine echt komische Ader, und in ihren Reden eben» viel Geist als Laune wahr; aber der Knoten ist zu verwickeltund die Auflösung nicht wahrscheinlich genug. Einfacher ist die In-trigue in den llrscisusoo ricticulos. Eine feine Kritik der anstecken-t - ^ankheit der Schöngeisterei, des schwülstigen Romanenstyl«,oes Pedantismus der gelehrten Frauen, der Affectation in Sprache,«edanken, Putz, sind der Gegenstand dieser Komödie. Sie bewirkte°we allgemeine Reform, als man sie in Paris gab. Man lachte,u» erkannte sich, man applaudirte mit dem Borsatz, sich zu des-