Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
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A96 Meliere

stand selbst, so trocken er auch an sich senn mag, ist in einer echtkomischen Gestalt dargestellt. Die Entwicklung ist bewundernswür-dig und hundert Mal nachgeahmt worden. Gleiches gilt von demMalillls InrMNLirs, worin die Charlatanerie und Pedanterie derdamaligen Ärzte vollkommen geschildert wird. Mit diesem Stückebeschloß der Verfasser seine Laufbahn. Er war unpäßlich, als manes aufführte. Seine Gattin und Baron drangen in ihn, nicht jnspielen. „Was würden" antwortete er ihnen, „so viel arme Hand-werker anfangen? Ich würde es mir zum Vorwurf machen, es eine»einzigen Tag verabsäumt zu haben, ihnen Brot zu geben." Die An-strengung, womit er spielte, verursachte ihm Convulsionen, denenein Blutsturz folgte. Er starb wenige Stunden darauf den istenFebr. 167z. Sein früher Tod verhinderte seinen Eintritt in dieAkademie, welche ihm den nächsten erledigten Platz bestimmt hatte.Sie ehrte sich und Möllere noch im I. 1778 dadurch, daß sieseine Büste mit dem Verse von Saurin aufstellte:

I^ierr ne mauyiro ^ 5L ßloire, 11 ivLisyiroli: a la nötre.

Der Erzbischof von Paris wollte ihm das Begräbniß verweigern,aber der König selbst schlug sich ins Mitteel, und so wurde er inSt. Joseph in dem Kirchspiel St. Eustache beerdigt. Jn derneuern Zeit wurde seine Äsche in das Museum der französischenDenkmäler gebracht; wo sie sich in einer antikgeformten Urne mitder Inschrift befindet: Molisrs esc üans cs rombsau. Im I.17YY wurde das Haus, worin er geboren worden, mit seinerWüste und mit der Inschrift geziert: sssan-Laprisrs bocgusüaäs Möllers esc IIS ciaiis osrro in.aisoii. Man kann Moli'ere'jWerke als eine Geschichte der Sitten, Moden und des Geschmacksseiner Zeit und als das treuste Gemählde des menschlichen Lebensbetrachten. Geboren mit einem beobachtenden Geist, geschickt, dieäußern Zeiche» dev>Leidenschasten und ihre Bewegungen in den ver-schleimen Zuständen aufzufassen, nabm er die Menschen wie siesind, und zeigte als ein geschickter Mahler die geheimsten Faltenihres Herzens, und den Ton, die Geberden, die Sprache ihrer man-cherlei Gefühle. „Seine Lustspiele, gehörig gelesen," sagt La Harne,„könnten die Erfahrung ergänzen, nicht weil er vorübergehende Lächer-lichkeiten, sondern weil den er Menschen, der sich nicht verändert, ge-mahlt hat... Welches Meisterstück ist der Geizige! Jede Scene ist eineSituation ; und man hat einen Geizhals ganz arglos sagen hören, daß anS

dem Stücke viel zu lernen sey und daß man treffliche ökonomische Grund-sätze daraus ziehen könne. Moliöre ist von allen, die je geschrie-ben haben, derjenige, der den Mensche» am besten beobachtet hat,ohne sich den Schein davon zu geben. Er scheint seine Mensches»kenntniß mehr auswendig zu wissen, als studirt zu haben. D"Erispine Regnards, die Bauern Dancourts erwecken auf demTheater Lachen. Dufresny zeigt Verstand in seiner originellenWendung. Der Spieler und der Legatar sind schöne Werke. Abernichts von allem reicht an Molierc; er hat einen physiognomische»Zug, den man nirgend anders findet. Man erkennt ihn in seine»geringsten Farcen wieder, denen immer Munterkeit und Moralzum Grunde liegt. Er gefällt eben so sehr beim Lesen als bei derDarstellung. . . . Man hat wohl gemeint, daß er zu stark auf-trage und überlade. Ich habe den so oft wiederholten psuvrsbsilims tadeln hören; ich habe nachher dieselbe Scene und nachstärker gesehn, und rS hat mir eingeleuchtet, daß Lächerlichkeiten