418 Monolog
men heißt, wenn man die Gedanke» und Empfindungen, die in inSeele vorgehn, sich auch durch die,Zunge ansprechen und versinn-lichen läßt, da sie in der Natur bestimmt dasselbe gethan habenwürden, wenn ihnen von außen her die Veranlassung dazu gegebenworden wäre. Nun ist aber die Nothwendigkeit, vermöge welcherman geeignet ist, seine Empfindungen durch Worte auszudrücken odersie in sein Herz zu verschließen, keine unbedingte (in welchem Falleallerdings die Kunst nicht das Gegentheil davon unternehmen dürste),sondern im eigentlichen Verstände eine durch ganz lockere äußereBeranlaffungen bedingte Nothwendigkeit, und es ist gerade diePflicht jeder künstlerischen Bestrebung, an die Stelle des Beding-ten, welches in der Natur, die nach keinen Kunstgrundsätzen «er,fährt, allerdings vorhanden seyn darf, das Streng-Unbedingte, dasKriterium alles dessen, was künstlerisch ist, zu setzen. Obgleich alsodie Monologen, streng genommen, als Monologen in der Naturnicht vorhanden sind, so können sie doch füglich ern Gegenstand der ,dramatischen Kunst werden, weil die zufällige Veranlassung, Man- -den neben sich zu haben, dem man seine Gedanken mittheilt, nicht §wohl über die Möglichkeit, sie sich selbst mitzutheilen, em Werbetaussprechen sollte. Und so ist es denn auch wirklich. Die dramati- !sche Kunst muß ein Mal von außen her zur Verständlichkeit beiPublicums, dann aber auch zweitens in wahrhaft künstlerischem iSinne sich der Monologe bedienen, um ihre möglichsten Zwecke zu ierreichen. Wenn wir aber damit die Möglichkeit und selbst u»er> ,
läßliche Statthaftigkeit der Monologe dargethan zu haben glaub», ,
so wollten wir nichts destoweniger keineswegs in Abrtzde seyn, daß idie gewöhnlichen dramatischen Schriftsteller einen argen, wahrhaft ,Ekelerregenden Mißbrauch mit den Dialogen treiben, und dahin §bei ihnen zum wahrhaften Lückenbüßer ihrer Lalentlostgkcit und , IGeistesarmuth dienen. Denn es scheint allerdings leichter zu iM !«nige unbedeutende, mit nichts in Verbindung stehende und sich <«uf nichts beziehende Ausrufe zu ersinnen und diese einer dramati- ischeu Person in den Mund zu legen, als den Inhalt eines Ty !sprachs, in welchem der Austausch und der Wechsel der gegenseiü- >gen Ideen doch eine Art von freier Kunstbehandlung voraussetzt, zu ierfinden. Da nun auch diese Monologe, in so fern ihnen nämlich ! <die äußere, so nothwendige Abwechselung entzogen ist, im Ganz» ,
genommen, nicht das Vergnügen erwecken können, welches durch d» ^ ieigentlichen Dialog erreicht werden kann; so folgt daraus, daß auch ^ ,selbst die genialsten Dramatiker sich derselben mit weiser Spariam- ^ ikeit zu bedienen und denselben, wenn sie nun einmal Statt l >sollen, die nothrvenoi'gste Zweckmäßigkeit und den möglichsten inner» s !Zusammenhang zu geben haben, um nicht aus ihnen außerweM- I
liche Dinge zu schaffen, die mit nichts in Verbindung stehen un> !
zu keinem andern Zwecke dienen, als den Zuschauer den Zusammen- k
hctng und das Interesse an der Darstellung verlieren zu lassen un« ^
also zu langweilen. Es sind einige Monologe vorhanden, «eiche ,
zu Mustern dienen können, wie man dergleichen Scenen zu bekam r
dein habe; wir nennen davon den berühmten Monolog, c
oder'nicht seyn," aus Hamlet, und die beiden bekannten Mono «her Jungfrau von Orleans und der Marie aus den beiden sM'' -
schen Stücken gleiches Namens. In künstlerischer Hinsicht dur i
vielleicht noch zu erinnern seyn, daß der Inhalt des Monologs, ;