422 Monsieur Monsigny
Monotonie vermeiden kann. So häufig also im Grunde die Mono-tonie ist, so wird sie bei dem Künstler und Schriftsteller von einem«inseitigen Genie interessant, während sie nur ein Fehler bei denje-nigen ist, die ohne Genie auf gewiss« Lieblingsbilder, Liebliugi-ausdrücke, LiebiinaswenLungen, auf eine gewisse Lleblingsmamerimmer wieder zurückkommen. Man hat auch ganzen Nationen undeinzelnen Gutrungen ihrer schönen Literatur Monotonie vorgewor-fen, z. B. der französischen Tragödie. Allein bei keiner Art desUrtheils sollte man vorsichtiger seyn, als bei dieser, indem unend-lich viel Geist, Geschmack und genaue Kenntniß einer fremden Lite-ratur dazu gehört, um Vorwürfe dieser Art nur zu erörtern, odersich in den Augen der gebomen Kenner dieser Literatur lächerlichzu machen.
Monsieur, ein Titel, welcher ohne Zusatz dem ältesten odereinzigen Bruder des Königs von Frankreich gegeben wird. Auchder König wird von seinen Kindern und Enkeln mit Monsieur an-geredet.
Monsigny (Pierre-Alexandre), den man den französische»Sacchini nennen könnte, ist 5729 in der vormaligen Provinz Arteiigeboren. Sehr jung kam er nach Paris, wo seine Verwandten ii,mfür das Finanzfach bestimmten. 2 » einem Alter von neunzehn J--b-ren wurde er in den Rechnungsbureaux der Geistlichkeit angestüt,aber das in ihm nur schlummernde Genie für die Musik erwachteplötzlich, als er einer Vorstellung d?r Ssrv-, siscirmi-» von Pergo-lesi be'wohnte. Er beschloß, sich der Musik ausschließlich zu wid-men, und studirte die Compofitivn unter Giannorti. Schon nachfünf Monaten entließ ihn sein Lehrer als einen Schüler, der aus-gelernt habe. Aber wie sehr erstaunte Giannotti, als der Iünzii»?ihm beim Abschied seine Oper, Les ave»x ipchscwer- zei,,t- dieer, ohne ihm ein Wort zu sagen, componirt hatte, Giannom. derdiese Arbeit prüfte, erkannte trotz vielfältiger Fehler bey Stempeldes Genies darin, und bat Monsigny inständig, ihm ein Geschenkdamit zu machen. Der Verfasser wollte aber nicht darein willigen-drei Jahre nachher (1750) brachte er seine Oper gänzlich umgear-beitet aufs Theater. Aufgemuntert durch den ihm zu Theil ge>wordnen Beifall, gab er im Jahr 1760 Ls iVI-Irro on äroir undslls 06 , üiipp. Die niedliche Oper, On ns s'avis« jsmsi» ä»tour, welche 1761 erschien, vollendete die musikalische Revolutionauf dem Theatre de la Foire, welches damals den Namen der ita-lienischen Oper annahm. Monsigny verfertigte hierauf gemein- lschaftlich mit Sedaine folgende Werke, welche der glänzendste Er- !folg gekrönt hatr 1 e kdoi er 1 e formier: ltoss er Lotus: Ali»o>reine cle Lolconcto; O'isls scmiwnro Ls Dessirsur; chs inw -von: chslix ou I'snkarir rrouvs. Mit Favart hatte er 1775 gdge- ^den II» belle Arsens. —. Am 22ste» September 1708, als amReujahrstage der französischen Republik, genoß Monsigny, nebst ^Cherubim, Lesueur und Martini die Ehre, daß er auf dem Mars- !felde als ein ausgezeichneter Tonkünstler erst vom Directorlum und ^dann von Herolden ausgerufen wurde. Indeß würde dieser öffent- !siche Beweis von Achtung ihm in seiner durch die Revolution »er- !«rsachten mißlichen Lage wenig Trost gewahrt haben, wäre nichtdie Bitte damit verbunden gewesen, eine Pension von 2400 LivreSguf Lebenszeit anzunehmen. Im I. igoo erhielt er nach Piccu«i'f Todt dessen Directorstelle am Conservatorium zu Paris.