Band 
Sechster Band. M und N.
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424
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424 Montaigne

mal zum Drucke bestimmt hatte. Dagegen sind die Gedichte derLetzter», und alles das, was die andre Hälfte des zten Bandes inder neuen Sammlung ausmacht, von keiner Bedeutung.

Montaigne (Michel de Montagne, oder vielmehr), war1538 auf dem Schlosse gleiches Namens in Perigord geboren. SeinBater, Pierre Eyquem, Herr von Montaigne, der zum Masse vonBordeaux erwählt wurde, wandte auf seine Erziehung ganz beson-dre Sorgfalt. Schon seine Kindheit verrieth die glücklichsten An-lagen und sein Vater bildete sie auf alle Weise aus. Sobald derKnabe nur sprechen konnte, übergab er ihn einem Deutschen, derbeständig lateinisch mit ihm sprach, so daß er diese Sprache schon ineinem Alter von sechs Jahren vollkommen verstand. Man unter-richtete ihn darauf im Griechischen ebenfalls auf eine Weise, daßihm jede Anstrengung und Beschwerlichkeit dabei erspart wurde.Sein Vater trieb seine Aufmerksamkeit für ihn bis aufs äußerste;er ließ ihn des Morgens nur durch musikalische Instrumente wecken,in der Meinung, daß das plötzliche-Wecken dem Geiste der Kindernachtheilig sey. Montaigne bewies dagegen überall die zärtlichsteVerehrung für das Andenken seines Vaters. Er bewahrte sorgfäl-tig die Möbeln, die er im Gebrauch gehabt, und trug, wenn erritt, einen Mantel, der ihm angehört hatte, „nicht," wie erjagte,„aus Bequemlichkeit, sondern aus Wohlgefallen. Ich glaubemich in ihn zu hüllen." In einem Aller von dreizehn Jah-ren hatte er seine Studien auf dem Collegium zu Bordeaur unterCcouchy, Buchanan und Muret beendigt. Seine Fortschritte unterden gelehrten Männern mußten sehr schnell seyn. Sein Bater hatteihn für den richterlichen Stand bestimmt, und verheirathete ihnmit Franqoise de La Chassaigne, der Tochter eines Parlamentsrathsvon Bordeaur. Montaigne bekleidete einige Zeit ein ähnliches Amt,gab es aber, aus Abneigung dagegen, auf. Kenntniß des Menschenwar das Studium, das ihn vor allem anzog. Um ihn genauer zubeobachten, ging er auf Reisen. Er besuchte Deutschland, dieSchweiz, Italien, und wurde allenthalben mit Auszeichnung aufge-nommen. In Rom, wo er rggr war, beehrte man ihn mit demTitel eines römischen Bürgers. Im Jahre darauf wurde er zumMaire von Bordeaux gewählt, und die Bewohner dieser Stadt wa-ren mit seiner Verwaltung so wohl zufrieden, daß sie ihn 1582an den Hof sandten, um dort ihre Angelegenheiten zu verhandeln.Ohne Zweifel wurde e>° bei dieser Gelegenheit von Carl lX. müdem Bande des St. Michaclsordcns, ohne daß er, wie er sagt,darum angehalten hatte, geschmückt. Nach verschiednen Geschäfts-reisen kehrte er endlich auf sein Schloß zurück, um sich dort ganzder Philosophie zu widmen. Indeß wurde hier seine Ruhe durch ,die bürgerlichen Unruhen zuweilen gestört. In seinen letzten Iah- >ren litt.er an Steinschmerzcn und Nierenübeln, aber sein Haß gr- sgen die Arzte und ihre Kunst, und sein Vertrauen aus die Heu-kraft der Natur waren Ursach, daß er hartnäckig jede ärztlicheHülfe von sich wies. Er starb 1592. — Montaigne hat sich in sei-nen Versuchen selbst geschildert, aber er gesteht darin nur einigeleichtere Gebrechen und Fehler ein, womit Mancher sieh sogar brü-stet. Er gibt zum Beispiel zu, daß er indolent und träge sey, daßer ein sehr untreues Gedächtniß habe, daß er allen Zwang halst'Ee schmeichelte sich, die Menschen zu kennen, und glaubte, sie bei-ser in der Freude eines Festes als in dem Ernst, einer 'Rathsver-

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