Montaigne 425
sammlung zu erkennen. Gewöhnliche Freunde mochte er nicht ha-ben, aber an auserwähltcn Freunden hing er mit Leidenschaft. Ersuchte die Bertraulichkeit mit unterrichteten Mänliern, deren Un-terhaltungen, wie er sich ausdrückt, «onr reines ci'un ju^emonrwar er ccmsrsnr, er male» äs danke» äs srancdiso» äs Asietser ä'rmiris. Auch liebte er den Umgang mit schönen und sittsamenFrauen, wiewohl man dabei ein wenig auf seiner Hut seyn müsse,besonders .derjenige, setzte er hinzu, an <;ui 1a aorp>s pour besu-ovup ramme en mal. Die Phantasie betrachtet er als eine reicheQuelle von Übeln. „Der Landmann," sagt er, .,hat kein andresÜbel, als das wirklich vorhandene; ein Andrer hat oft den Steinschon im Kopse, ehe er noch in den Nieren ist." Über die Erzie-hung hatte er Ideen, die man in unsern Lagen wieder in Anregunggebrachthat, so wie manche andre, ohne daß man ihn genannt hat. Er
> wollte, daß sich die Freiheit der Kinder auf daS Moralische undPhysische erstreckte. Das Einwindeln und Einbündeln sah er alsschädlich an. Er meinte selbst, daß wir, wenn wir daran gewöhntwürden, aller Kleider entbehren könnten. Er tadelte eine so ge-naue Lebensweise, wodurch der Körper unfähig werde, Beschwerdenzu ertragen. Seine Ansichten über Gesetzgebung und RechtSverwal-tung haben seine Zeit aufgeklärt und der unscigen genutzt. Erdringt auf mehr Einfachheit in den Gesetzen und Formen. "Er be-merkt sehr richtig, daß die Gesetze oft durch ihre Strenge unnützund schädlich werden. „Wie viel Verurtheilungen," ruft er aus,„habe ich gesehn, die verbrechischer waren als das Verbrechen!"Seine fast immer nachgiebige und nachsichtige Moral war dennochin einzelnen Punkten sehr streng. Die spekulative Philosophie ver-warf er. „Was für ein Philosoph ich auch seyn mag, ich will eSanderwärts seyn," sagte er, „als auf dem Papier." Er hatteden Vorsatz, nicht sein Alter, sondern sein ganzes Leben seinenVorschriften gemäß einzurichten; und er beabsichtigte nicht „denZopf eines Philosophen an den Kopf und an den Körper einesTaugenichts zu heften." Aufrichtig genug sagte er von sich selbst:»Ich bin zuweilen verständig, zuweilen libertin, zuweilen wahr-haft, zuweilen Lügner; keusch, schamlos, dann freigebig, verschwcn-drisch und geizig, und das alles, je nachdem ich mich drehe." Einbesondres Vergnügen fand er darin, den Menschen in Kindern undunverdorbenen Landleuten zu beobachten und zu studiren. Eben soweit entfernt von denen, die alles für ungewiß, wie von denen, dieolles für gewiß halten, gefällt er sich, Möglichkeiten statt Behaup-tnrgen aufzustellen, und feinen Gegenstand von allen Seiten zu be-
s leuachen. Seine Devise war nach dem damaligen Gebrauch: <Zuseais-je? — Das Hauptwerk Montaigne's sind seine Lssai», die«men Schatz von Lebensweisheit enthalten. Die Schreibart ist al-lerdings weder rein noch correct, weder genau noch edel; aber sie>st einfach, lebhaft, keck, energisch. Große Gedanken werden naiv
> und diese Naivetät gefällt. Man gewinnt den Eha-
^ rakter des Verfassers lieb, man Hort ihn gern, unterbält sich gern
wrt rhm, und folgt seinen verschiednen Meinungen. Ein geistreicherLichter hat ihn in folgenden Versen geschildert:
^ (Uierrbsut t'vomine bims btiomme moros,
1,0 oouaoit ei lc xelnr bleu oueriL.