Band 
Sechster Band. M und N.
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Montemayvr 429

Gegner thun werde, nach dem, was er an seiner Stelle thun würde;und sie täuschten sich nie. Sie setzten einer dem andern, Geduld, Lttrund Thätigkeit entgegen. Die Meister der Kunst bewunderten diegeistreichen und tiefen Manoeuvres der beiden Heiden, ohne zu sehn,wohin sie führen würden, als eine Kanonenkugel den französischenFeldherrn tödtete, und so den glänzenden Schauplatz entblößte. Indem Briese an den Kaiser, worin Montecuculi von dem Tode seinesgroßen Nebenbuhlers spricht, setzt er hinzu, daß er nicht umhin kön-ne, den Verlust eines Mannes zu beklagen, welcher der Menschheit sosehr zur Ehre gereichte. Diese Worte hatte er bei der Nachricht vondem Tode Turenne'S mehrere Male wiederholt. Nur der Prinz Condökonnte Montecuculi die Überlegenheit streitig machen, die ihm der Todvon Turenne gab. Anfangs zwar erlitt dieser Fürst am Rhein einigeVerluste, bald aber hielt er den kaiserlichen Feldherrn auf, welcherdiesen letzten Feldzug als den glorreichsten seines Lebens betrachtete,nicht weil er Sieger gewesen, sondern weil er nicht besiegt worden.Der Lertbeidizungskrieg, sagte er, erfodert mehr Kenntniß, mehrVorsicht als die Offensive; der geringste Fehler ist hier tödtlich, unddie Unfälle werden durch die Furcht vermehrt, welche das Mikroskopder Übel ist. Montecuculi verlebte den Rest seiner Tage am kaiser-lichen Hofe im Umgänge mit Gelehrten. Er beschützte die Wissenschaf-ten und trug dazu bei, daß eine Akademie kür die Naturforschung ge-stiftet wurde. Er starb zu Linz i6zo. Montecuculi verstand nichtnur Krieg zu führen, sondern auch sehr gut darüber zu schreiben.Leine Memoiren, die er italienisch schrieb, sind für den Militär, wasdie Aphorismen des Aristoteles für den Arzt sind. Es gibt wenigeWerke , deren Studium so nützlich ist. Er ist zugleich gelehrt undgründlich, kurz und deutlich.

Montemayor (Georg de), ein berühmter castilianischer Dich-ter, geboren zu Monte-Mayor, woher er den Namen annahm. DieseCtadt gehörte unter Coimbra im Königreich Portugal. Die Zeit sei-ner Geburt ist nicht genau bekannt, man setzt sie gewöhnlich in da«Lahr izro. Montemayor verdankte dem Studium nichts, aber erwurde einigermaßen dafür durch sein angeboriies Genie entschädigt.Er verstand vollkommen mehrere lebende Sprachen und übersetzte siewst eben so viel Leichtigkeit als Vollkommenheit. In seiner Jugendbetrat er die militärische Laufbahn, obgleich seine Neigung ihn ein-zig zur Musik und Poesie hinzog. Darauf begab er sich nach Casti-tien und ließ! sich, von allen andern Erwerbsmitteln entblößt, alsMusiker in die Eapelle aufnehmen, die Philipp II. auf seiner Reise»ach Deutschland, Italien und den Niederlanden begleitete. Nachseiner Rückkehr scheint er in Leon gelebt zu haben; hier dichtete erwiue Diana. Die Königin Eatharine, Schwester Carls V. und"tgentin dieses Reichs, berief den Dichter zu sich und ertheilte ihm'wen sehr ehrenvollen Posten an ihrem Hof. Er starb frühzeitig,bsun aus einer von Francisco Marcos Dorantes gedichteten Elegie,°>e sich in allen Ausgaben der Diana findet, ersieht man, daß er im4- iZ6r seine Laufbahn endigte. Obgleich von Geburt ein Portu»Me, wird Montemayor doch in der spanischen Literatur genannt, daA in der castilianischcn Sprache geschrieben hat. Er war bei LewSpaniern der Erfinder des Schäferromans in seiner Diana, einemWerke, das seinen Namen unsterblich gemacht hat. Cervantes, derAüigste Beurthciler von Dichterwerken, nennt die Diana das schönsteAuster in ihrer Gattung. Außerdem besitzen wir von Montemayor