Montesquieu 4Z r
daselbst zu denken, und Frankreich, um daselbst zu lebe«. Nachseiner Rückkehr in sein Vaterland, legte er die letzte Hand an seinWerk: 8nr ja »aus« cks in ^ronüeui er >ls I» clecacienco ckss Ito-maine. Sehr feine Bemerkungen und treffende Schilderungen ga-ben diesem oft behandelten Gegenstände den Werth der Neuheit,Der Verfasser findet die Ursache von der Größe der Römer in derkiebe zur Freiheit, zur Arbeit Und zum Vaterlands; in der Strengeder Militärdisciplin; in dem Grundsätze, nur nach erfochtenen Sie-gen Frieden zu schließen. Die Ursachen ihres Verfalls findet er inl der Vergrößerung des Reichs, darin, daß man so vielen Rationendas Bürgerrecht bewilligte; in dem durch den Luxus Asiens verur-sachten Sittenverderbniß; in den Proskriptionen des Sulla; in derNothwendigkeit, worin die Römer waren, mit der Regierung auchdie Grundsätze zu verändern; in der Reihe von Ungeheuern, dievon Liberias bis auf Constantin fast ununterbrochen regierten;endlich in der Verlegung der Residenz und in der -Theilung desRe'chs. Der männliche Geist, der in diesem Werke glänzt, erscheintnoch mehr in dem Lsyrir äes lois, welcher 1748 herauskam. Indiesem Werke, das mehr ein Geist der Nationen als der Gesetze ist,unterscheidet der Verfasser drei Arten der Regierungsform ; die re-publikanische, monarchische und despotische, und zeigt, daß dieGesetze der Natur und den Principien jeder dieser Formen ange-messen seyn müssen. Diese Unterscheidung ist von großer Wichtig-keit, und führt den Verfasser auf eine Menge von Folgerungen.Die Schreibart, ohne immer genau zu seyn, ist kraftvoll. TreffendeBilder; geistreicher Scherz, wenig bekannte, lehrreiche und unter-haltende Thatsachen machen die Lectürc Angenehm. Man kann die-ses Werk das Gesetzbuch des Völkerrechts und seine» Ver-fasser den Gesetzgeber des Menschengeschlechts nennen.Man fühlt, daß es aus einem freie», das Menschengeschlecht mitLiebe umfassenden Herzen entsprungen ist. In Rücksicht auf dieseGesinnungen hat man es Montesquieu verziebn, daß er, statt bloßzu räsonniren, alles auf ein System zurückführen wollen, daß erdem Clima und den physischen Ursachen vor den nroralischen zu viel! Einfluß zugeschrieben, daß er ein unregelmäßiges Ganzes geliefert! und zu oft von dem Einzelnen auf das Allgemeine geschloffen habe.j Man war unzufrieden, in diesem Meisterwerke zu lange Abschwei-fungen über die Lehnsgesetze, Zeugnisse aus unzuverlässigen Relsen-! dm, Paradoxen statt Wahrheiten, Scherze statt Reflexionen zu sin-1 den. Man hat ihm Unzusammenhang und Unbestimmtheit, und zu-i kellen geschraubte und gesuchte Wendungen vorgeworfen. Aberj kenn er nicht immer den Grammatikern genügt, gibt er doch stetsum Philosophen zu denken. Niemand hat so tief wie Montesquieunachgedacht über die Natur, die Principien, die Sitten, das Cli-
- ka, den Umfang, die Macht und den eigenthümlichen Charakterder Staaten, über die guten und schlechten Gesetze, über die Wir-kungen der Strafen und Belohnungen, über Religion, Erziehung
> kmd Handel. Nichts desto weniger fehlte es nicht anstrengen Kritiken;
- knie derselben, von dem Abt Bonnaire, beantwortete er mit seiner
! ÜL i'Lgprit ücs lois. Der Kummer über diese Anfeindungen,
! M die Lebensweise, die er auf seinem Standpunkte zu
' genöthigt war, zerstörten nach und nach seine Gesundheit,
! führten eine Brustkrankheit herbei, an der er im I. 175g in
nnem Liter von üü Jahren starb. Sein Tod erweckte die allge-