Band 
Sechster Band. M und N.
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440
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449 Montpellier Montpensier !

Montpellier, am Fluß Lez, vormals die Hauptstadt ui s>

Nieder-Languedoc in Frankreich, jetzt die Hauptstadt im Departe- d

ment deß Herault und der Sitz des cammandirenden Generals der r

neunten Militärdivision. Sie liegt am Abhänge eines Hügels. Die r

L«ft ist rein und selbst im Winter gelinde, doch verursacht "bisweilen «

ein vo.-n Meere wehender Wind dichte und kalte Nebel, die der l

Brust sehr beschwerlich und schädlich sind. Der Bischof, dessen Kirch- f

spengek sich über die Departements des Herault und des Tarn 2

erstreckt, steht unter dem Erzbischof von Toulouse. Die Eimvvb- s

«erzähl beträgt über Z»,ooo. Die berühmte medicinische Universität i

dieser Stadt, das Ludovjceum nach Ludwig von Anjou benannt, l

verdankt ihren Ursprung den aus Spanien Vertriebnen arabischen >

Ärzten. Sie wurde während der Revolution aufgehoben, im I. ' l1801 aber als eine Specialschule der Medicin wieder hergestellt. «

Sehcnswertb sind das anatomische Theater und der botanische Gar- I

ten. Außerdem ist hier ein Lyceum und eine 170S errichtete Akade-mie der Wissenschaften und schönen Künste. Die Domkirche enthält imehrere ausgezeichnete Gemählde. Die Einwohner verfertigen vielen lund guten Grünspan, wollene Decken unk Barchent; sie handeln istark mit Wolle, Wein, Liqueuren und wohlriechenden Wassern.

Auch die Manufakturen von Baumwollenstoffen und Leder sind vanWichtigkeit, so wie die Druckereien der Wollenzeuge. Sehr ausge-zeichnet sind die hiesigen Wachsbleichen, Die Citadelle liegt auseinem Hügel.

Montpensier (Anne-Marie-Louise d'Orleans, bekannterunter dem Namen der Mademoiselle de), war die Tochter Gastoni,Ducs vpn Orleans, und 1627 zu Paris geboren. Ihr Bater, einsonderbarer, ungestümer und ränkevoller Fürst, vererbte seine Feh-ler auf seine Tochter. Sie nahm die Partei Conde's in den Krie-gen der Fronde und hatte die Kühnheit, von der Bastille aus dieTruppen Ludwigs XIV. beschießen zu lassen. Diese gewaltsame-Handlung machte ihr den König und den Hof für immer zu Fein-den, welche sich einer jeden Vermählung, die sie annehmlich fand,widersetzten und ihr dagegen solche Vorschlage machten, die sie ab-lehnen mußte. Endlich in einem Alter von 44 Jahren beschloß sie,ihre Hand einem einfachen Edelmann, dem Grafen Lauzun, Z» geben.

Sie erhielt die Erlaubniß dazu, und brachte demselben ein Vermö-gen von 20,000,000, vier Herzogthümer, die Herrschaft Dom-bes, die Grafschaft En, und das Palais Luxembourg zu. Sie behieltsich nichts vor, indem ihr die Idee schmeichelte, daß sie ihrem Ge-liebten mehr gebe, als irgend ein Monarch je einem Unterthan gege-ben habe.' Der Echecontract war bereits geschlossen, als die Köni-gin und der Prinz von Conde durch ihre Vorstellungen, wie sehr ,diese Verbindung die königliche Familie beeinträchtige, Ludwig XtV. jbewogen, die schon gegebne Erlaubniß zurückzunehmen. Dies nöthig»die unglücklich Liebenden, sich heimlich zu vermählen. Lauzun aber, ^her sich gegen Frau von Montespan, der er seine Widerwärtigkeiten ^zuschrieb, Beleidigungen erlaubt hatte, wurde bald darauf naq .Pignerpl geführt', wo er zehn Jahre lang gefangen blieb, i-ss ,erhielt seine Freiheit nur unter der Bedingung, daß seine Gemah- .lin die Herrschaft Dombes und hie Grafschaft Eu dem Duc 0«Maine abtrat. Sie erkaufte gern mit diesem Opfer das Gluck, muihrem Geliebten vereint zu leben; aber auch jetzt war dies Gu»pon sehr kurzer Dauer. Lauzun sah in ihr nur ein heftiges, erst-'