Moreau (Jean Victor) 455
' rcr, dem er nicht entgehen wird, der ist er selbst; er wirb sich in! seinen Thorheiten vernichten." So lebte Moreau schuld- und furcht-los. Aber der Vberconsul fürchtete seinen kalten, stummen Ernst,seine sittliche Größe und die Liebe, die alle Franzosen zu dem be-scheidnen Feldherrn hinzog. Er haßte den Sieger von Hohenlinden,weil die öffentliche Meinung ihn als den Würdigsten an die Spitzeder Gegenpartei stellte. Diese war vorhanden; und Bonaparte zit-terte, daß Moreau, der nie sein Freund war, jener Stimme folgen! möchte. Es gelang ihm nicht, durch verkleinernden Spott ihn her-. abzusetzen, noch durch Späher strafbare Verbindungen oder Hand-lungen von ihm zu entdecken. Da entdeckte endlich ein Meuchel-mörder, damit er sich vom Tode rettete, Georges Cadoudal undPichegru seyen in Paris versteckt, um Bonaparte zu tödten, und
> Moreau wisse darum. Auch hatte sich die geheime Polizei einigerWiese bemächtigt, die der Abbe David, der gemeinschaftliche FreundPichegru's und Moreau's an letzter» geschrieben, um ihn mit Piche-gru auszusöhnen, damit er sich dessen Absicht, von dex Emigran-tenliste ausgeschlossen zu werden, nicht widersetzen möchte. Mo-reau'S Antwort war ebenfalls in ihre Hände gefallen, und DavidNebst einem andern Unterhändler Pichegru's, dem Exgeneral Lajol-lais, verhaftet. Dies schien dem Oberconsul genug, um Moreauden igten Februar t8c>4 plötzlich als einen Staatsverbrecher nachdem Tempel dringen zu lassen. Zugleich verbreitete die Regierungdie gehässigsten Beschuldigungen, um ihn in der öffentlichen Mei-
> nung, vorzüglich bei der Armee, herabzusetzen. Auch hob sie durcheinen Senatsbeschluß vom 28sten Februar die Form der Geschwor-nen bei Untersuchungen wegen Hochverrath aus, und verwies dieAngeklagten an ein aus sechs von der Regierung ernannten Mit-gliedern bestehendes Criminalgericht. Hierauf ward Pichegru denaystknFebr. und Georges am yten März verhaftet. Der Justizministerverhörte Moreau'n vorläufig den löten Februar, wo Moreau nichtseingestand, weil er dem Oberconsul unmittelbar sich mitbheilenwollte. Auch erfuhr er nicht einmal die Punkte seiner Ankiage ge-nau, welche der Großrichter ihm vorzulegen, von einer Woche zurandern verschob, indem die Regierung erst Beweise für ihren Arg-wohn zu sammeln bemüht war. Moreau schrieb hierauf den LtenMärz, vor dem Anfange der gerichtlichen Untersuchung, an den
> Lbcrconsul.- „Eröffnungen seyen ihm gemacht worden; er habe siezurückgewiesen; dergleichen anzuzeigen, sey seinem Sharakter zuwi-der. Er halte Angeberei für schändlich, zumal gegen Männer, de-nen er Dankbarkeit schuldig sey, oder mit denen er ehemals inFreundschaft gestanden." Der Oberconsul gab diesen Brief zu denActen. Indeß dauerten die geheimen Verhöre fort, und den igle»April machte Murat den Truppen bekannt, die Schuld Moreau'Sbestätige sich immer mehr. Aber erst den rösten Mai wurden dieSitzungen des Criminalgerichts eröffnet und die Ankkageacte über-geben, die bei Moreau'n als dem Haupt der Verschwörung nebstGeorges, und bei zweiundvierzig Mitverschwornen auf die Todes-strafe antrug. Pichegru, der jede Verbindung mit Moreau, Geor-ges, Lajollais u. A. standhaft abgcläugnet, und den Richtern starkeWahrheiten gesagt hatte, war den üten April früh im Bette erdros-selt gefunden worden. Man wußte von ihm selbst nur so viel, daßer, um seine Lusstreichung von der Emigrantenliste zu bewirken,»ach Paris gekommen, Georges gestand frei, er habe sein iSater-