458 Moreau (Jean Victor)
seine liebsten Freunde. Er beobachtete den Gang ber Begebenhei-ten, urtheilte freimüthig, ohne Partei zu nehmen, und sagte denAusgang mancher ehrgeizigen Unternehmung voraus. Da verlor erim December igii durch Brand sein Landhaus mit einer ausge-wählten Bibliothek. Sein Sohn starb. Seine Gemahlin war inFamilienangelegenheiten nach Frankreich gereis't, durfte aber Bor-deaux, wo sie unter Aufsicht gestellt wurde, nicht verlassen. Jetztlud >hn sein Freund, der Kronprinz von Schweben zu sich »achStockholm ein. Napoleon unternahm damals den Krieg gegenRußland, und der Exgeneral Malet entwarf den Plan zu einerRevolution in Paris. Moreau, dessen Ankunft in Europa jeder-mann erwartete, sollte als Präsident an der Spitze der provisori-schen Regierung stehn. Aber Moreau lehnte des Kronprinzen Ein-ladung ab, und wußte wahrscheinlich nichts von den Entwürfe»Malets, dessen kühner Plan den 22sten Oktober 1312 verunglückte.Im December dieses Jahrs begab sich Moreaus Gemahlin Mit ihrerTochter Jsabella, um ihre Gesundheit herzustellen, abermals »achFrankreich, durfte aber nicht ans Land treten. Sie mußte sich wie-der einschiffen, und beg-ch sich »ach England. Indeß hatte Moreau,durch die Aufopferung der französischen Armee in Rußland aufstiefste empört, sich entschlossen, auf des Kaisers Alexanders Einla-dung sich zu ihm nach Europa zu begeben. Er nahm keinen Gradnoch Gehalt an, sondern beschloß, als freier Weltbürger zu dienemder gerechten Sache Europa's, die auch die Sache seines unterdrück-ten Vaterlandes war. Nur ein Ehrgeiziger, nur der Sclbstling.,'wird es wagen, deßhalb einen Mann zu tadeln, der ein so guter^Bürger, so edel, so uneigennützig, so erfahren und so einflußreichwar, als Moreau. Sein Name, sein Aufruf und sein Kriegspla»würden wahrscheinlich Napoleons Macht schon in Deutschland ver-nichtet haben. Mehr wollte Moreau nicht. Aber die göttliche Welt-regierung hatte es anders beschlossen. Moreau landete den aöstenJuli igiz in Gothcnburg; den 7tcn August kam er in Stralsundan, wo der Kronprinz drei Tage mit seinem alten Freunde im in-nigsten Vertrauen lebte. Jener ging hierauf in sein Hauptquartiernach Oranienburg, und Moreau über Berlin und Iüllichau »ochPrag ab. Hier besuchte ihn den I7tcn, am Tage nach seiner Ätz-kunst, der Kaiser Alexander. Ei» seltnes Verhältniß bildete sichjetzt zwischen dem Monarchen und Moreau. Jener sah den letztemals seinen Rathgebcr und Freund an; und Moreau, durchdrungenvon Bewunderung und Liebe, weihte dcmKaiser sein Leben, ohne rirseinen Dienst zu treten. Doch trug er die Uniform eines kaiserlichenGeneraladjutanten. Er begleitete den Kaiser zu Pferde auf demMarsche gegen Dresden, am ugsten und rüsten August. Denn vonDresden abgeschnitten, sollte Napoleons Macht an der Elbe gebro-chen werden. Aber im Fluge eilte der französische Kaiser mit sei-nem Heere nach Dresden. Langsamer brach das Heer der Verbünde-ten aus Böhmens Gebirgspässen hervor. Um wenig Stunden zuspät erfolgte der Angriff; der Rückzug war, nachdem man die Stadtvergebens beschossen, nothwendig. Moreau kühn und thätig, mu-ten im Feuer, sah den 27sten, daß Napoleon, den linken F^gel derÖsterreicher umging. Eine Kanonenschlacht sollte dem französische»Heere die Wege nach Pirna und Freiberg öffnen. Standhaft war;das Milteltreffen und der rechte Flügel der Verbündeten des Fein-det Angriffe zurück, Da eilte Moreau von den äußersten Punkten
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