Moritz (Churfürst von Sachsen) 46^8
> rheinisches Scherzgedicht auf den Tod eines Storchs, das er 1659verfertigte, erwarb ihm lüüo die Professur der D chtkunst zu Ro-stock, welche er nach seiner Zurückkunst von einer Reise nach Hol-land und England antrat, aber schon 1665 mit der der Rede- undDichtkunst auf der neugesiifteten Akademie zu Kiel, wo er solchenBeifall fand, Laß sein Hörsaal oft die Menge seiner Zuhörer nichtfassen konnte. 1Ü70 machte er eine zweite Reise n ,ch Holland undEngland, wurde nach seiner Rückkehr 167z zugleich Professor derGeschichte, 1630 Bibliothekar, und starb am zosten Juli 1691 auf, einer Rückreise von Pyrnont, wohin er wegen seiner Kränklichkeitgegangen war, zu Lübeck im ZZsten Jahre. Durch sein allbekanntesWerk: lloixAlstor (d-ndoc. 1688, 4. 4te Ausg. ebendas. 1747, 2Bde. 4.) regte er in Deutschland zuerst ein vollständigeres und plan-mäßigeres Studium der Litcrargefchichte auf. Es war lange Zeitdie Hauptquelle aller literarischen Notizen, und ist unzählig oftbenutzt, studirt und ausgeschrieben worden. Wirklich entbält esauch einen bedeutenden Reichthum literarischer Notizen aller Art,und wenn auch nicht alle seine Urtheile die Probe ballen, undnamentlich seine Ansichten von der Literargeschichte, als Wissenschaftnoch sehr dürftig sind, so macht es doch noch mancher methodologischeri Wink (z, B. über die Kunst des Lullus) auch für unsre Zeitenschätzbar. Sein Unterricht von der deutschen Sprache und Poesie,deren Ursprung, Fortgang und Lehrsätze, sammt dessen deutschen Ge-dichten (zle Aufl. Lübeck und Leipzig 1718, 8,) ist besonders voni der historischen Seite wichtig. Seine deutschen,'so wie seine latei-! Nischen (dmirsc. 1697, 8.) Gedichte hingegen sind von geringemBelang, und enthalten nur selten einen gelungenen Einfall oder^ «ine glückliche Wendung. A —»
Moritz, Churfürst von Sachsen, war der Sohn Herzogs Hein-rich zu Sachsen uno wurde 1521 zu Freiberg gevoren. Schon inseiner Jugend kündigte er sich als den großen Fürsten an, der einstder Retter seines Vaterlandes seyn sollte. Er zeigte große Talente,verbunden mit rastloser Thätigkeit und einem feurigen Charakter.Diese Eigenschaften schienen nicht wohl vereinbar mit der Beschrän-kung, die das kleine väterliche Erbe ihm anwies. Sein aufstreben-der Geist wurde noch mehr geweckt, als er verschiedne deutsche Höfebesuchte, die den väterlichen an Glanz weit übertrafen. Damals(1541) vermählte er sich mit der Tochter des berühmten Philipps,Markgrafen von Hessen. In demselben Jahre starb sein Vater. Erübernahm darauf selbst die Regierung seiner Lande, und überlegte,was er bei den großen Uneinigkeiten, worin Deutschland damalsdurch die Religionsstreitigkeiten gesunken war, für ihn zu thun sey.Obgleich selbst ein Bekenner des Lntherthums, weigerte er sich den-noch, der Sache der übrigen protestantischen Fürsten, die den neuenGlauben mit den Waffen in der Hand vertheidigen wollten, unddem schinalkaldischen Bunde beizutreten, entweder weil er schon da-mals geheime Absichten auf die Ehurwürde hatte, und sich also dem«aiser gefällig machen wollte, oder weil er voraussah, daß dieschlechte Organisation dieses Bundes seinen baldigen Fall nach sichruhn würde. Carl V. freute sich der Ergebenheit des tapfern Mo-«tz und belohnte ihn durch vielfache Gunstbezeigungen, ja er federteM sogar auf, sich der Lande des Churfürsten Johann Friedrichs,
' Bundesheere Anführer war, zu bemächtigen, und
l '"heilte ihm nachher 7548 auf dem Reichstags zu Augsburg feierlich