^464 Moritz (Fürst von Anhalt - Dessau)
dir Churwnrde. Der Kaiser, der einen der mächtigsten Reichsfür-sten für sich gewonnen zu haben glaubte, verfolgte indeß seine ehr-geizigen Plane, die Rechte und Freiheiten der deutschen Fürsten zuvernichten und sich zum unumschränkten Beherrscher Deutschlands zumachen. Aber wie künstlich er auch seine Absicht verbarg und unterdem Schein, das Interesse der Cathsliken zu beschützen, nur seineignes förderte: so erkannte der in den krummen Gängen der Poli-tik selbst wohlersahrne Moritz doch bald genug das eigentliche Zielder Bestrebungen des herrschsüchtigen Carls- Er sah ein, daß ihmnur mit offener Gewalt zu widerstehen sey, ünd trug kein Beden-ken, als Feind des Kaisers aufzutreten. Aber auch hierbei verfuhr ernicht ohne Arglist. Seine Rüstungen betrieb er im I. icgo unterdem Scheine, die ihm vom Kaiser übertragne Voltziehung derReichsacht gegen die Stadt Magdeburg auszuführen, schloß mitKönig Heinrich II- von Frankreich und, einigen deutschen Fürsten1551 geheime Bündnisse, und wußte seine Maßregeln so geschicktzu' nehmen, daß er Carln, der zu Jnspruck am Podagra darnieder-lag, fast gefangen genommen hätte (1552). Als Rechtfertigungs-grund dieser unerwarteten Fehde führte Moritz an, daß der Kaisergegen sein ausdrückliches und feierliches Versprechen den LandgrafenPhilipp von Hessen (Moritzens Schwiegervater) immer noch gefan-gen halte. Der Kaiser, den Alter und Krankheit beugten, eilte,durch seinen Bruder Ferdinand ihm Vorschläge zur Aussöhnungthun zu lassen. In Folge dieser Verhandlungen kam der berühmteVertrag zu Pafsau «m giften Juli 1552 zu Stande. Moritz, dersich dadurch mit den Protestanten ausgesöhnt hatte, glaubte nunauch dem Kaiser einen Beweis seiner Anhänglichkeit geben zu müssen,und wohnte noch in demselben Jahre einem.Zuge gegen die Türkenbei. Da aber nichts ausgerichtet wurde, ging er nach Sachsen zu-rück. Bald darauf verlor er am 9ten Juli iWZ, zu frühzeitig fürseine Lande, in einer Fehde gegen den Markgrafen Albrecht vonBrandenburg das Leben. Wenn man auch über den Charakter die-ses ersten Churfürsten in Sachsen aus der albertinischcn Linie nichtglimpflich urtheilen will und kann, so muß man doch gestehn, daßer außer jener Klugheit, vermöge welcher er schlau die Umstände zubenutzen wußte, große Rezentes- und Feldherrntalente besaß, dieihn zu einem der ersten deutschen Fürsten machen. Ungeachtet seinerkurzen Regierung verdankt ihm Sachsen viele nützliche Einrichtun-gen. Um die Bildung seines Volks und um die Wissenschaftenerwarb er sich hohe Verdienste durch die Stiftung der Fürstenschulenund mancher nützlichen Institute der leipziger Universität.
Moritz, Fürst von Anhalt-Dessau, königlich preußischer Gene-ralfeldmarschall, geboren zu Dessau den Zisten Oktober 1712, war ,der jüngste Sohn des großen Feldherrn, Leopolds I., Fürsten von §Anhalt-Dessau. Er trat mit fünfzehn Jahren in preußische Kriegs- ,dienste, wurde Hauptmann, und war bis 1758 in allen Feldzugen ^der drei ersten Kriege gegenwärtig. Er wohnte auch 1734 und 35den Feldzügen am Rhein als Volontär bei. In den Schlachten von jHohenfriedberg, Keffelsdors, Prag, Kolli», Roßbach, Jorndorf undLeutyen, in welcher letzter» ihn Friedrich II. auf dem Schlachts«"zum Generalfeldmarschall ernannte, bewies er vorzüglich Tapserkm ,und Klugheit und ahmte in beiden Eigenschaften seinem Vater nach.
Er beobachtete die strengste Mannszucht, war aber übrigens ein«ahrer Menschenfreund, ein Vater der Soldaten, so wre ein