Band 
Sechster Band. M und N.
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Moritz (Carl Philipp) 469

' kannten als unheilbar aufgegeben wurde. Nachdem er durch Zure-" l ^ einiger derselben bewogen worden war, sich für einen Augen-° blick aus dieser Lage herauszureißen, verfiel er dennoch kurzeZeit nachher von neuem in seine alte Sinnesart und verließ, Ältern^ und Freunde» unbewußt, Hannover, um Schauspieler zu werden.

2 In dieser Absicht kam er, »ach vielen Schicksalen, nach Erfurt, wor er sich für einen Kandidaten der Theologie ausgab und es ihm' gelang, unentgeldlich'Matrikel, den Freitisch und freie Wohnung> jii erhalten. Dieser nicht ungünstigen Lage ungeachtet, fing Moritz,l »en seiner stets unruhigen, bizarren Laune getrieben, abermals an,r sich in Erfurt zu mißfallen, wozu ihn am meisten der Gedanke. «eranlaßte, daß er nur von anderer Leute Wohlthaten lebe. In^ Folge dieses Mißgefühls ließ er sich von seinem Hange zum Lhea-" ter abermals verleiten, Schauspieler zu werden und obgleich einer, , seiner Lehrer ihn bereits einmal von diesem Vorhaben abgebracht,, hatte, einer Schaulpielertruppe nach Leipzig zu folgen.. Als er. ! diese aber bei seiner dortigen Ankunft bereits aufgelös't unds' sich also abermals in seiner Erwartung getäuscht fand, scheintihm dieses Ereigniß den Gedanken, Schauspieler zu werden, aufi immer verleidet zu haben;-wenigstens ist so viel gewiß, daß unter, den sich ewig durchkreuzenden Projekten seines Lebens die Schau-n bühne nie wieder das Ziel seiner Wunsche wurde. Somit abermals,j ohne Hoffnung und Ausweg in eine weite Welt geworfen, verließ, «Leipzig, in düstre Schwcrmuth versunken, ohne zu wissen, wohin, er sich wenden sollte. Ohne sein Zuthun zeigte ihm jedoch seine ! gutes Geschick schon im. ersten Dorfe nahe Hülse; ein Herrnhuter„ aus Barby nahm sich seiner mit väterlicher Sorgfalt an undbeherbergte ihn. Allein Moritz gefiel sich auch hier, trotz seinern > Anlage zur Mystik und Schwärmerei, nur sehr kurze Zeit, und^ faßte dann den Plan, in Wittenberg seine Studien zu vollenden,n ^ wozu ihm dann die Brüdergemeinde ihren Segen und einen Zehr-pfennig mit auf den Weg gab. Auch in Wittenberg lächelte ihn das-h Glück an und führte ihm eine Menge Freunde und Gönner sowohl„ »cu den Studenten als von den Professoren zu. Hier verlebte erst j zwei Jahre, in welchen er abwechselnd sich bald einer musterhafte»

, > Thätigkeit ergab, bald aber dem strafbarsten Müßiggänge stöhnte,

1, j bald das wildeste, regelloseste Leben führte, und bald wieder in sichn i gekehrt und einsam mit seinem Grame den Gedanken seinesS eingebildeten Unglücks nachhing. So geschah es denn abermals,

^ daß er sich auch hier mißfiel und, von dem Rufe, der damals von« ! Basedows pädagogischer Unternehmung ausging, angezogen, sich nacht, Dessau begab und von diesem mit offnen Armen empfangen wurde,

k, Das gute Einverständniß unter beiden dauerte aber nur eine

er kurze Zeit: denn Basedow glaubte i» Moritzen nicht Kraft und

n 1 Eetbststgndigkeit genug zu finden, und Moritz wurde es bald herz-et lich müde, sich von Basedow tyrannisircn zu lassen. Von hier» ! wandte er sich nach Potsdam,,um daselbst eine Predigerstelle zuk- ! erhaben zu suchen. Da ihm diese Bemühung fehl schlug, und er nun,e abermals ohne Hoffnung und Lebensunterhalt war, so faßte er ein-

j- mal den Entschluß, sich todt zu hungern; eine Lehrerstelle am gro-

H - ßm Potsdamer Waisenhaus« rettete ihn. Da- ihm aber auch dieset bt-llt bald wieder unangenehm wurde, so überließ er sich abermalsw En Ausschweifungen seiner mit schwarzen Vorstellungen angefülltenp Einlsildungskra war unthätig und unbrauchbar zu jedem Geschäfte