Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
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Moses wurde um 1600 vor Christs unter dem damals hartbedrückten hebräischen Volke in Ägypten geboren, und schon drei'Monate nach seiner Geburt mußten stine Ältern — der Vater hießLmram, die Mutter Jochebed, beide vom Stamme Levi —. zu-folge eines kön glichen Befehls, der alle männliche Geburt der He-bräer umzubringen gebot, den Säugling aussetzen. Aber von tau-fend ermordeten hebräischen Knaben wurde gerade er wunderbar,wie Cyrus und Romulus, gerettet. Die lustwandelnde Tochter deßägyptischen Königs (Lhermutis nennt sie die Sage beim Zose-xhus) findet im wohlverwahrten Rohrkästchen am Ufer des Nilsdos weinende Kind, erbarmt sich sein und gibt es, da seine nahe-stehende Schwester Mirjam die Mutter herbeiruft, dieser zur Pflege.Eo wurden ihm mit der Muttermilch die Gefühle seines unglückli-chen Volks eingeflößt, und erst als lehrfähiger Knabe kam er indie Hände der Königstochter zurück, die ihn den aus dem Was-ser geretteten (Mv-üdiche im Ägyptischen, daher das hebräi-sche Mosch eh) nannte und an Kindcsstatt annahm. Dadurchwurde er dem Priesterstande, zu dem die königliche Familie gehörte,einverleibt und konnte nun als -Priesterlehrling zu allen den Kün-sten und Wissenschaften, die dieser erste Stand des Reichs in streng-ve hüllten Mysterien bewahrte, gelangen. Sie waren das Höchste,was jene Zeit an Bildung und "Einsicht besaß, und daß Moses sichihrer bemächtigte und noch tiefer als seine Lehrer in die Geheim-nisse ihrer Religion, Naturkunde, Gesetzgebung und Regierungs-knnst eindrang, leuchtet aus seinen Thaten und Reden deutlich'her-vor. Von dem Feld-uge gegen Äthiopien, bei dem er in seinemvierzigsten Lebensjahre als Anführer der Ägypter mit der StadtEaba zugleich das Herz der besiegten Prinzessin Tharbis erobertund diese zum Weibe genommen haben soll, spricht nur die jüdischeSage beim Joscphus, wahrscheinlicher aber machen die großen tak-tischen Kennrniffe, die seine Anordnungen beim Auszuge der He-bräer voraussetzen, daß er im ägyptischen Heere diente und sichKriegserfahrung erwarb. Doch konnte er im Glänze des Hofes seinVolk nicht vergessen; beim Anblicke der Mißhandlungen, die einägyptischer Vogt sich gegen einen Hebräer erlaubte, empfand er dasstnrecht und brachte den Ägyptier heimlich um. Aber diese Thatwurde bekannt, und er entging den Nachstellungen des Königs nurflie Apostelgeschichte sagt im glasten Lebensjahre) durch eine schnelleFlucht nach Arabien. Hier fand er bei Jethro, einem midianirischenHirtenfürsten und Priester, Aufnahme, und erhielt dessen Tochteröipora, die er beim ersten Zusammentreffen durch kräftige HülfeSegen feindliche Hirten gewonnen hatte, zum Weibe. So hütete»un der Sohn einer Königstochter die Heerden eines Arabers, unddie Geschichte sagt nicht, daß er nach etwas Größeren getrachtethabe. Aber vorschweben mußte ihm das Elend seines Volks, undnicht umsonst konnte er auf dem ungewöhnlichsten Wege in das Hei-l'grhum der ägyptischen Weisheit geführt und mit den seltenstenKräften und Kenntnissen ausgestattet worden seyn. Sie beschäftig-st seinen Geist in der Einsamkeit, sie deuteten ihm die Natur, die>en an Räthseln und Wundern reich mit Schrecken und Pracht inden Wüsten und Gebirgen Midkans umgab, und erhoben sein Herzi» dem Gott, den er reiner erkannte, als seine Vater. Doch lang«bildete sich bei diesem stillen Hirtenleben der Keim des größten Un-ürnehmens in seiner Brnst, ehe er hervorbrach und in das Bewußt-