Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
510
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Zlo

Müller (Johannes von)

thümlichen Erziehung von innen heraus ein Talent, daS in den ge-lehrten Schulen seiner Vaterstadt wenig Reiz und Nabrung finden konnte.Seine Gabe, schnell und richtig aufzufassen, leicht und treu zu behalte» undingeniös zu combiniren, bewies er schon im yten Jahre durch einenVersuch, auf eigne Hand die Geschichte von Schafhausen in Kragund Antwort nach Hühners Manier zu schreiben. Aus der Lectüre die-ses Historikers hatt- er bald die Epochen der Universal - und Skaaten-Geichichte inne, Rollin uu» Boysen siele» ihm glücklicher Weise in dieHände, um dieß Fgchwerk auszufüllen und den alten Classikern, dieer im rzten Jahre verstohlen zu lesen begann, verdankte er Begeiste-rung für Freiheit und sittliche Größe, Klarheit und Ordnung im Den-ken und Geschmack und Kraft im Ausdruck; Eigenschaften, derenSpuren schon aus seinen Schularbeiten hervorleuchteten. Zum Sta-dium der Theologie bestimmt, ging er 1769 nach Gittingen, woMichaelis, Walch, Lcß und Miller, in dessen Hause er wohnte, seineLebrer, ein Theolog wie Mosheim zu werben sein Ziel, ErcgeseundKirchengeschichte seine Licblingßwisscnschaften wurden. In seinerDissertation: esse reue Oürisro eovdvsiao rneruenstum 1770-

spricht noch ganz der Eifer für das alte System, und erst SLlözeriUmgang machte ihn freier von diesen Fesseln und gewann ihn für im-mer der historischen Forschung. Sichtbar ist dieser Einfluß im iZeilumLirribricurn 1772 (deutsch von Dippold 1810), die erste Probe, dieMüller, nachdem er 1771 ivs Vaterhaus zurückgekehrt war, von sei-nen historischen Studien gab, und das gezwungne Latein dieser Schrifthinderte die Kenner nicht, der Quellen benutzung und treffliche» Me-thode des Verfassers das gebührende Lob zu zollen. Damals pred-gteer als Candidat oft und mit Beifall und übernahm 1772 die Professurder griechischen Sprache am Gymnasium zu Schafhausen; seine Theil-nahme an der allgemeinen deutschen Bibliothek, worin Lessings Beren-gar seine erste Recension war, und der Briefwechsel mit Gelehrtenließ ihn jedoch der Literatur nicht fremd werden and leine Mußegehörte schon jetzt schweizerischen Urkunden und Jahrbüchern.

.Reife aber gedieh der Entschluß, die Geschichte seines Volks zu schrei-ben, erst durch den Einfluß, den Carl Victor von Banst et-ten auf den Gang seines Geistes und seiner Schicksale gewann,Mit diesem um sieben Jahr älteren, höchst liebenswürdigen Manneschloß Müller den yten Mai r 778 zu Schinznach den berühmt gewon-nen Freundschaftsbund, dessen Denkmale in den Briefen eine»jungen Gelehrten an seinen Freund (herausgegeben r8o»von Friederike Brun) der Nachwelt aufbehalten sind. Was das Ge-fühl der Freundschaft nur Zartes lmd Edles, das Streben »ach wissen-schaftlicher Bildung und Celebrität nur Mächtiges und Begeisterndes,die Liebe zur Tugend und zu allem Großen und Schönen nur Erhab-nes und Anregendes hat, ist in diesen herrücken Briefen neben einerMenge gelehrter und geistreicher Bemerkungen mit einer Frische undInnigkeit ausgesprochen, die jedes edle Jüngiingsherz crgreiicn undzur Nachciferung anfeuern muß. Auf Lonstettens Empfehlung kamMüller im Februar 1774 als Hauslehrer zu dem Staatsrath Tron-chin Calendriiii in Genf; wie wenig aber der Unterricht kleiner Kw'der feinem Geiste angemessen war, mußte er bald inne werden, undvertauschte schon im März z 775 Tronchins Haus mit einer freiere»Verbindung, in die ihn Francis Killt och aus Südcarolina zu gß'meinschaftlichen Studien zog. Au Chambeisy, einem Landhause »wSiensersee, brachte er mit diesem gleichgesinnt«» Jünglinge das gluck'