Müller (Johannes von)
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Herzen sprechen zu können, fleißig Recensionen in die Maische Lite-raturzeitung. Reuen Kummer machte ihm das Schicksal der Schweiz.Da Österreich i7yü im Begriffe schien, sie zu occupiren, begehrteder gewissenhafte Mann seinen Abschied, weil, wenn sein VaterlandUnrecht, leide, er dsc unterdrückenden Macht nicht glaube unverdäch-tig dienen zu können. Doch bald überzeugt von Österreichs .Red-lichkeit, blieb er und lehnte auch in dem Jahre I 7 Y 8 , das er imJammer über das untergehende Vaterland fast ganz verlor, denRuf zu einem Mitgliedc des obersten helvetischen Gerichtshofes,wozu Schaffhausen ihn gewählt hatte, aus Abneigung gs.-o denfranzösischen Lerrorismus und in der Hoffnung ab, der Schweizbesser in Wien die Dienste zu leisten, die seine Stellung möglich zumachen schien. In der That war er den Eidgenossen, die sich unterjenen Unruhen nach Wien flüchteten, - ein thätiger Beschützer, wieüberhaupt allen ihm nahe kommenden schweizerischen Jünglingen dersorgsamste Vater und Freuno. In öffentlichen Angelegenheitenkonnte jedoch sein Einfluß am kaiserlichen Hofe, wo ihn eine MengeNeider und Feinde umgaben und die meisten ganz mißkannten, niebedeutend werden, und da fein Widerstand gegen die wiederholtenVersuche der Proselytenmacherei jede Aussicht auf böhere Beförde-rung verschloß, trat er im Herbst 180» in Denis Stelle als ersterCustos der kaiserlichen Bibliothek. Hier fühlte er sich wieder inseinem Elemente, arbeitete mit Freuden den noch fehlenden Realka-talog dieser prächtigen Bibliothek aus und setzte dabei seine Schwei-zergeschichie munter fort. Dieß Behagen wurde jedoch im Mai 180zschmerzhaft gestört. Ein junger Mensch, den er durch achtjährigeWohltdaten verpflichtet hatte, brachte ihn durch den unerhörtestenBetrug vermittelst falscher Briefe, in denen Müller nur den Ergußder Freundschaft eines geachteten Mannes von hohem Stande gese-hen, um den größten Theil seines Vermögens, und nur ein glückli-cher Zufall vereitelte den Anschlag, den man zu derselben Zeit aufsein geben gemacht hatte. Da an Ersatz nicht zu denken war,mußte er für seinen arglosen Glauben an die Menschheit^ durchGeldverlegenheiten bis zum Tode büßen. So wurde ihm Wien im-mer mehr verleidet, und da.er sich überdies durch die Censur in der«ortsetzung der Herausgabe seiner Schweizergeschichte gehemmt undwegen seines Protestantismus von weiterer Beförderung der Biblio-thek abgeschnitten 'sah, glaubte er den ehemaligen Ruf zum wirkli-chen Mitglied« der berliner Akademie und goistoriogca-phen des Hauses Brandenburg mit dem Titel eines gehei-men Kriegsraths annehmen zn dürfen. Nach einem zwölfjähri-gen, an Freuden der öffentlichen und Uterarischen Wirksamkeit imGanzen armen Aufenthalte, der ihm nur erst gegen das Ende durchbu Anerkennung und Freundschaft der Edleren angenehm zu werdenanfing, verließ er daher Wien im Mai 1804, sah in der Schweiza°ch seinen heißgeliebten Bruder und unter andern JugendfreundenM den eben in Genf anwesenden Amerikaner Kinloch zum letztenMale, und begann dann. in Berlin ein neues, ganz den Wiffcnschaf-»» gewidmetes Leben. Reben seinen Privatstudien und den Ab-handlungen für die Akademie, von denen die über die Geschichtevsiedrichs ll., über den Untergang der Freiheit deralten Völker und der Versuch über die Zeitrechnungen»>" "Urwelt im 8ten Bde. seiner Werke abgedruckt sind, wärenhur die Herausgab« der Herderichen Werke, zu denen er die Ge-
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