Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
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Müller (Johannes von)

schichte des Eid und schätzbare Noten zu Persepolis lieferte, der -fliBand der Schweizergcschichte, der, in acht unruhigen Jahren vollen-det, 1805, und die neue Ausgabe der drei ersten Binde, die izoäerschien, die Frucht seines Fleißes. In diesem Jahre erhielt er denAuftrag, die Geschichte Friedrichs tl. zu schreiben, und war eben daran,die schwer erhaltne Erlaubniß *) zum freien Gebrauch der Archivezu benutzen, als die Schlacht bei Jena alle Blicke von der Vergan-genheit weg auf eine gewaltsam entscheidende Gegenwart zog. Wiein Müllers Vaterlands verschiedne Sprachgenoffen und die Deut-schen die zahlreichsten sind, so hatte auch in seinem, die ganze euro-päische Menschheit umfassenden Gemüthe Deutschland das Über-gewicht. Er war aber lange genug darin, um die Fehler zu kennen,die das Reichsverband zerrissen und Frankreich groß machten, erhatte keine Gelegenheit verabsäumt, zur Eintracht zu ermähnenund vor fremder Präponderanz zu warnen und noch zur letztenZeit, da andre Wege versperrt wurden, in der Vorrede zu Maho-meds Posaune des heiligen Krieges von Hammer und in seinenRecensionen kräftig auf den Nationalgeist zu wirken gesucht. Daßdie Stimme der Geschichte und der echten Staatsweisheit nichtgehört worden war, mußte ihn mehr befremden, als der Eintrittunausbleiblicher Folgen. Müllern — und welchem Aufmerksamennicht? — wurde nun klar, die Zeit der alten, so lange sie bestan-den, von ihm hochgehaltnen Formen sey nun fvorüber und er hieltes für gerathner, der neuen Zeit mit Fassung und Hoffnung aufGott, der sie kommen ließ, entgegenzugehn, denn als ein Einzelnerunsinnig wider die Gewalt anzustürmen, der das von sich selbstverlaß«« Volk nichts mehr entaegenzusetzen wußte. Die Sorge fürsein literarisches Eigenthum hielt ihn in Berlin zurück, da die Sie-ger einzogen, die Humanität, mit der sie ihn vor den Lasten deSKrieges schützte», erheischte seine» Dank, der Geist und die Kennt-nisse, die Napoleon in der Unterredung, zu welcher er ihn den aastenNovember berief, entwickelte, die Güte, mit der er ihn behandelte,flößte ihm Achtung und Vertrauen ein. Weder Versprechungennoch Geschenke wurde» ihm gegeben, man achtete den Gelehrtenund den discreten Politiker in ihm, der nur gegen das System,doch nie gegen Personen gesprochen; von den Privatabsichten undPlanen, die den französischen Kaiier und seine Diener bei diesemBetragen leiten mochten, hatte Müller keine Ahnung. Dies alle«trug sich zu, ohne daß er es im mindesten gesucht, und er bauteauch nichts darauf, nur meinte er in der Rede, die er den syp"Januar 1607 in der Akademie 8« 1 a Aioiro 8s l re8s-io hielt, dengesunknen Muth der Preußen durch stärkende Mahnungen, und dttSchonung des Siegers, der Friedrichen an Glück und Feldherrngrdßedamals nicht unähnlich war, durch auszeichnende Beziehungen an-sprechen zu muffen. Diese Rede, an Kunst und Gemüth dem Treff-lichsten, was die Alten in selbiger Gattung geleistet haben, ver-gleichbar, wurde wegen einiger den Zeitumstanden ganz angcmeßnenWahrheiten, indeß Deutschland sie mit Bewunderung aufnahm unsGothe sie übersetzte, in Berlin ein Anlaß zu den gehässigsten Ver-leumdungen gegen den Verfasser. Man wollte es ihm nicht verzei-hen, Cicero's Rolle, da Cäsar obsiegte, dem Schicksale Cato's vor-gezogen zu haben. So glücklich und seinen Neigungen ganz entspre-

*) Der letzte CabinetStzefthl hierüber war vom 6ten Sctober -Lok.