Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
517
JPEG-Download
 

l

Müller (Johannes von) Zr/

chind seine Lage in Berlin gewesen war, konnte er ihm unter sol-le chen Umständen und Aussichten doch nicht schwer werden, auf einen

>- Ruf des Königs von Wirtembcrg an die Universität zu Tübin-6 gen, wenn auch mit wenigem Gehalt und mehr Berufsarbeit, einzu-n gehen. Schon im Frühlinge 1807 war er zum Abgänge dahin be-1, reit, erhielt aber sein« wiederholt gesuchte Entlassung von Memel>e erst im Oktober. Auf der Reise nach Tübingen erreichte ihn ein1- französischer Courier, der ihn schon dort und in Berlin aufgesucht

ie halte, den gten November in Frankfurt mit dem Befehl, schleu-

t- l nigst nach Fontainebleau zu kommen und ein wichtiges Amt zu>- ! übernehmen. Müller, von einem Rufe, an den er so wenig gedacht,n ! daß er sogar seine ganze fahrende Habe, an 120 Centner schwer, nachl, ^ Tübingen vorausgeschickt hatte, aufs äußerste überrascht, gab imr ^ ersten Erstaunen, daß Napoleons eigne Wahl auf ihn gefallen undn in der Nothwendigkeit sich auf der Stelle zu erklären, die Antwort:n er komme. Am i2ten November war er in Fontainebleau und schon

- mit sich einig, Tübingen und die literarische Thätigkeit jeder an-n der» Bestimmung vorzuziehen. Allein umsonst wendete er sich mitß den dringendsten Gegenvorstellungen an den Minister Maret; dert Wille des eben in Italien beschäftigten Kaisers, der den Westphalenit eine» angenehmen Minister zu geben dachte, litt keinen Widerspruch,n und schon den i/ten November erhielt Müller zu Paris die Bestal-l- lung als königlich wcstphälischer Minister-Staatsse-!t eretär. In diesem mit Scheu und Gram übernvmmnen Amte>f mußte er am folgenden Morgen, wo der König Jerome ihm dasc Großkreuz des holländischen Löwenordens verlieh, zu arbeiten an-st fangen und im December nach Cassel gehn. Doch hier zeigte sich cSr bald, wie sehr der Beruf, dies neue Königreich zu organisiren Undn Geschäfte zu führen, zu denen eben so viel Jugendkraft als Gleich-§ Migkeik gegen das Wohl der Einzelnen ersoderlich war, seinerl- ganzen Natur widerstrebte. Seine Gesundheit litt, mehrere Maln verlor er die Besinnung, und einst mitten in einer Unterredung died Spruche. Endlich wurden seine dringenden Bitten um Entlassungn ! gehört und im Januar 1808 ernannte ihn der König zum Staats«i> j rath und Generaldircctordesöfsentlichen Unterrichts.1, , aber auch in dieser seinen Wünschen angemeßnern Stelle sah er sichb I w den Hoffnungen, die er von der neuen Ordnung der Dinge ge-il ! faßt hatte, schmerzlich getäuscht. Die Hindernisse, die dem Gedei-i l hen der Wissenschaft im vormaligen Königreich Westphalen in denü Weg gelegt wurden, sind bekannt. Anstatt zu bauen, mußte Mül-» ^r gegen gewaltsames Zerstören ankämpfen und für seine Amts-» treue die bittersten Kränkungen erfahren, indeß erhielt er doch Man-ie ches zum Untergang bestimmtes wissenschaftliches Institut durch seineie mhne und »«ermüdete Gegenwirkung. So verdankt Marburg ihm>- in» Bestehen, Göttingen und Halle die Sicherung seiner Dotatio-I- ' den, und das Corps der Professoren von den aufgelös'ten Universi-n täten neue Anstellungen oder die Fortdauer ihres Gehalts. Unge-" achtet dessen nagte Gram und Mißmuth über verfehlte Plane, died borge der Schuldenlast, in welche die letzten Veränderungen ihn? i Murzt hatten, der herzzerreißende Anblick der unter dem sranzösi-» j ichen Geistesdrucke um sich greifenden Barbarei an seinem Leben,

- ^ und brach die Kraft seines Innersten, deren letzte Funken noch in^ ! K Vorrede zu der 1808 erschienenen ersten Abtheilung des 5ten

«rüdes der Schweizergeschichte aufflammen. Rührende Zeugen von