Zi8 Müller (Johannes von)
dem Kampfe sejnes sonst so freudigen Herzens mit seinen Erfahrun-gen sind seine vertrauten Briefe aus dieser Zeit. Sein großer,bald nach ihm vollendeter Freund Heyne schrieb davon an Mül-lers Bruder: Hätte der Kummer ein Gewicht, das sich in Summenbringen ließe, wie viele tausend Eentncr würden in diesen Blätter»auf einander liegen! Noch einen Trost gab ihm die alte Andänglich-keir und Sorgfalt seiner Freunde in der Schweiz. Sie machten denPlan, ihn mit einer mäßigen Pension ins Vaterland zu ziebe», woer sich in unabhängiger Muße ganz der Vollendung seiner Schwer,zeracschichte widmen sollte. Er war bereit; die Tagssatzung, diehierübc' Beschluß fasse» wollte, versammelte sich den zcen Junii8r") und erfuhr den 8ten seinen Tod. An den Folgen seiner sitzen-den Lebensart und starken Anstrengung hatte Müller schon in frü-hern Jahren gelitten und seine gewöhnlichen Übel, Augenwch undRothlauf, nicht geachtet. Seit 1808 wurde er jedoch mit dem Ge-danken einer nahen Auflösung vertrauter, und schrieb in diesem Ge-fühle sein Testament, das unverdächtigste Zeugniß seiner Denkungi-art nieder, worin er mit der Gewissenhaftigkeit eines einfachenrechtlichen Bürgers sein Haus bestellte und über die Tilgung seinerSchulden verfügte. In solchen Sorgen, doch gestärkt durch seineungeheuchelte Frömmigkeit, starb cr nicht älter als 57 Jahre aneinem rmt Entzündung des Gesichts und unaufhörlichem Schluckenverbundnen Gallenfieber in der Frühe des 2ysten Mai's lgoy. Seineletzten Worte waren: Alles, was ist, ist von Gott und alleskämmt von Gott. Bei seiner Beerdigung hielt der MinisterSimeon, der nebst dem französischen Gesandten Reinhard, demStaatsrathsauditor von Bosse, Müllers Secretär und den Freun-den aus der altenjZeit, Dohm und Schliessen, zu seinen wenigenVertrauten in Cassel gehörte, eine Standrede voll von Beweisen,wie sehr sein Werth und sein Verdienst auch auf dem letzten Schau-platze seines Wirkens anerkannt ward. Müllers äußere Darstellungwar mehr einnehmend als Ehrfurcht gebietend. Eine kleine korpu-lente Gestalt, ein rundes Gesicht, eine heitre erhabne Stirn undein Paar hervorstehende große blaue Augen voll Munterkeit undzuvorkommender Herzensgute milderten die Überlegenheit seines Gei-stes. Mit dem Anstande eines feinen Weltmannes, der in der Un-terhaltung jeden zu erfreuen und in die angenehmste Lage zu ver-setzen wußte, verband er die aufrichtige Theilnahme des wahrenMenschenfreundes und eine Gutmüthigkeit, die oft zu freigebig i«Loben und Wohlthun, oft zu rasch im Vertrauen wohl bisweilengemißbraucht ward und ihn unfähig machte, Intriguen anzuspinnenund Beleidigungen zu erwiedern. Besonders nahm er sich gern aus-keimender Talente an und stand mir Rath und That edlengen bei, die sich an ihn anschlössen. Der berühmte OrientalistHammer in Wien, ein junger Theolog Stäkling in Prenzlnu,die Historiker Pfister, Verfasser einer Geschichte von Schwaben,von Hormayer und Dippold, von denen der erstere im OMlenstudium, die beiden ander» in der Manier der Darstellung s"Schüler wurden, bildeten sich unter seiner aufopfernden, liebreichLeitung heran. Werheirathet war cr nie, die Stelle derWeiberuefüllten die Wissenschaften und die Freundschaft in seinem Her-aus. Freund wurde er jedem Edlen und Gleichgesinnten, dernahe kam, mit ganzer Seele. Die Besten unter den Zeitgeliopstanden mit ihm in diesem glücklichen Verhältnisse; am »achi
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