Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
536
JPEG-Download
 

1

536

Münzfuß

Münzer

Frölich, Wachter, Eckhel, Millin und R a sch e' r Leric«,,über die Numismatik überhaupt, die von Jobcrt, Olcariui,Praun, Hirsch und Joachim, über die neuere die von Dödet,lin, Köhler, Ludewig u. A. die namhaftesten. Mit ihnen kannman verbinden Harls Encyclopädie der Geldwissenschaflir Thl. (Erlangen 1806). Wichtig sind für dieses Studium die Be-schreibungen vcrschiedner Münzsammlungen von Lazara, Beger,Liebe, Venuti, Havercamp, Pellerin, Eckhel, Sestini,Hahn, Zoega u. A. m. Eben so die Beschreibung einzelner Ar-ten von Münzen, z. B. Lilienthals Thalercabinet, da«köhlersche Ducatencabinet, das höllesche Groschenca-binet u. Ä. <tä.

Münzfuß heißt die obrigkeitliche Bestimmung de»Gewichts (Schrots) und Feingehalts (Korns) der gang.baren Münze. Er gibt 1. das Verhältniß an des Goldes und Sil-bers, 2. den Preis der feinen Mark der edlen Metalle, Z. die Lee-rung derselben ru>'jeder Münzart, 4. die Kosten der Legirung undMünzung (Schlagschah), 5. die Anzahl der Stücke jeder Art, diraus einer feinen und rauhen Mark gemacht werden sollen. Dirmerkwürdigsten Veränderungen des deutschen Münzfußes sind fol-gende: i. der zinnische Fuß vom I. 1667, wonach Sachsen undBrandenbwg die feine Mark Silber zu inj Thlr. oder zu 15 N>45 Kr. ausmünzen wollten; 2. der leipziger Fuß von löyo, oder der»8 Fl. Fuß, wonach die feine Mark Silber zu 12-Thlr. oder 18 N-ausgebracht wurde. Im Jahre 1738 ward dieser zum Reichsfuß an-genommen; z. der preußische oder graumannische Fuß, wonach mI. 1750 die feine Mark Silber zu 14 Thlr. ausgeprägt würd«!4> der Conventionsfuß oder 20 Fl. Fuß vom I. 1753, wonach dieseine Mark Gold zu 28z Fl. 5 Kr. 3ff Pf. und die feine Mark Sil-ber zu 20 fl. ausgebracht wird; 5. der 24 fl. Fuß, wornach Bayern1766 die Mark fein Silber zu 24 Fl. zu vcrmünzcn anfing. 86>

Münzer (Thomas). Dieser berühmte Schwärmer war zuCtollberg am Harz geboren, in welchem Jahre ist unbekannt.Wäre die unverbürgte Sage wahr, daß sein Vater von einem Gra-fen zu Stollberg ungerechter Weise hingerichtet worden, so würdesich daraus die Äichkung, die sein Geist später nahm, um so leich-ter erklären lassen. Wahrscheinlich studirte er zu Wittenbcrg, wo«r auch Magister ward. Nach geendigten Studien ward er Schi-lehrer zu Aschersleben. In Halle war er Caplan in einem Nonnen-kloster, ging dann wieder nach Stollberg, wo er mit Beifall pre-digte, ward im I. 1520 als erster Prediger nach Zwickau berufen-ging schon im folgenden Jahre nach Prag, um sich unter den H«l-siten Anhänger zu verschaffen, und ward ein oder zwei Jahre spä-ter Prediger z» Altstedt. An jedem Orte, wo er sich aufhielt, zeig"er sich als einen unruhigen Kopf und einen wüthenden und fanatt-schen Gegner des Papstthums. Anfangs erwärmte ihn die LeMmystischer Schriften, wie des Laulcrus, des prophetischen M»Joachim und Andrer. Sein Eifer gegen scholastische und päpstlMTheologie brach zuerst in seinen Predigten aus, und in Böhwo»schlug er eine noch vorhandne heftige Jntimation comi» L»ple!'an, die er mit eigner Hand geschrieben hatte. Luthers "ihre l«um diese Zeit an, die Gemüther von der Tyrannei des päpn^..Gewiffcnzwangs zu entfesseln, aber ;auf der andern erhob stw 'Geist der Schwärmerei. Während Luther zurückgezogen auf ve