. Münzer 537
Wartburg lebt«, Karlstadt in Wittenberg die ausschweifendsten Ge-waltthätigkeiten beging, bildete sich zu Zwickau die Secte der Wie-dertäufer (Feinde der Kindertaufe), an deren Spitze Klaus Storch,ein Tuchmacher, stand, und zu welcher sich bald Marx Stüdner,Martin Kellner und Thomas Münzer gesellten. S e drqngen mitihrem Anhang nach Wittenberg; aber Luther, der dahin eilte,brachte es durch siebe» Predigten so weit, daß Storch und Karl-stadt Wittenberg verlassen mußten. Mit mehr Feuer und Glückbreitete hingegen Münzer seine Lehre zu Altstedt in Thüringen aus,wo er seit 152Z Prediger war. Er destritt nicht nur das Papst-thum, sondern auch Luthers Lehre, und reizte die Unterthanen zumUngehorsam gegen ihre Obrigkeiten, besonders wenn sie ihnen ver-boten, seine geistlichen Reden zu besuchen. Er überredete den Pö-bel leicht, daß Gort seine Christenheit bald von dem Joche, unterwelchem sie seufze, befreien werde. Mit jeoem Tage mehrten sichseine Anhänger und wuchsen bald so sehr an, daß der Churfürstvon Sachsen, Friedrich, und der Herzog Johann zu Weimar im I.
1524 Münzern nach Weimar fodern ließen, um sich zu verantwor-ten. Man entließ ihn und begnügte sich, dem Amtmann und Rathezu Altstedt zu befehlen, einen für die öffentliche Ruhe so gefährli-chen Schwindelkopf aus ihren Mauern zu entferne». Münzer ent-wich aus der Stadt, ließ ein Jahr lang nichts von sich hören, undtrat zuerst wieder in Nürnberg auf. Hier nicht geduldet, ging ernach Schafhauscn, wo er sich ein halbes Jahr aufhielt. Im Jahr
1525 kam er nach Sachsen zurück. Er predigte zu Mühlhausen, ge-wann die Volksmenge, setzte den alten Rath, der ihm das Predi-ge» verbot, ab und einen neuen »in, ließ die Klöster und die Häu-ser der Reichen plündern und proclamirte eine allgemeine Güterge-meinschaft. Ein andrer ähnlicher Schwärmer, Namens Pfeifer, fielmit seinem räuberischen Anhang ins Eichsfeld und vereinigte sichmit Münzer. Dieser Vorfall und die Nachricht, daß sich 40,1x10Dauern in Franken zusammengerottet, 150 adelige Schlösser und2z Klöster geplündert und verbrannt hätten, entflammten MünzerSRuth. Er rief seine Anhänger in Frankcnhausen, die Bergleuteim Mansfeldschen und sämmtlich« Bauern zu Mühlhausen, Langen-salza und Lennstedt aus und rüstete sich eiligst zum Kriege. Erversprach ihnen, sie sämmtlich in den Herrcnstand zu erheben. Nach-dem er Pfeifern als Statthalter in Mühlhausen zurückgelassen, be-gab er sich mit dreihundert Auseiwählten nach Frank.'nhauscn, brachdie von den Frankenhäusern mit dem Grafen von Manefeld eröffne-ten Unterhandlungen ab und erhitzte aufs neue die Gemüther. Indieser Crise starb Churfürst Friedrich der Weise. Sein NachfolgerJohann entschloß sich zu kräftigern Maßregeln. Er, der HerzogGeorg zu Sachsen, der Landgraf Philipp von Hessebi und der Her-zog Heinrich von Braunschweig verbanden sich und beorderte» 1500Reiter und einige Fahnen Fußvolk gegen die Aufrührer. Diese wa-ten an Zahl überlegen — gegen 8000 Mann — und standen vor-theilhaft auf einer Anhöhe bei Frankenhauscn, geschützt von einerWagenburg. Die vereinigten Fürsten boten nochmals den Weg derGute an, aber Münzer gab kein Gehör, sondern befeuerte denMuth der Seinigen durch die wüthendsten Reden, und versprachihnen den Beistand Gottes. Am igten Mai 1525 kam es zur«chlacht, in welcher dir Aufrührer nach einer hartnäckigen Gegen-vehr gänzlich geschlagen wurden. Nach Einigen verloren sie eooo,