538 Murat Muratori
nach Andern 7vno an Todten; die übrigen, worunter auch Münz« >war, warfen sich nach Frankenhausen. Muthlos verbarg er sichliier auf dem Boden eii.es Hauses, warf sich in ein Bette, undstellte sich krank. Die fürstlichen Truppen besetzten und plündertendie Stadt. Münder wäre unbeachtet geblieben, wenn nicht einSoldat in seiner Reisetasche das Schreiben des Grafen Mansfeld auihn gefunden hätte. Dieser Zufall entdeckte ihn. Er wurde gefan-gen genommen, und nach Heldrungen gebracht, wo er auf der Fol-ter seine Verbündeten endlich nannte. Auch Pfeifer, der sich vonMühlhausen hatte flüchten wollest, wurde bald gefangen zurückge-führt. Thomas Münzer wurde von Heldrungen dahin abgeliefert, iund ihm und Pfeifern nebst vierundzwanzig andern Rebellen das ^Schwert zuerkannt. Der zuvor so trotzige Münzer verlor auf demHingange zum Richtplatzc allen Muth; er konnte die Glaubensar- .tikel nicht selbst ausiprechen, sondern der Herzog Heinrich vonBraunschweig betete sie ihm vor. Ein andrer Geschichtschreiber er-zählt, daß er auf dem Todtengerüste noch 12 Maß Wasser ausge-trunken habe. Se>n Körper wurde nach der Enthauptung gespießt,und sein Kopf auf einen Pfahl gesteckt. Die Städte Langensalza,Mühlhausen und Tennstedt wurden um ansehnliche Geldsummen ge-straft, und noch mehrere Aufrührer, unter denen Bürgermeister undRathsherrn, hingerichtet.
Murat, s. Joachim. ^
Muratori (Lodovico Antonio), war zu Bignola im Modene- ^fischen im I. 1672 geboren. Die Natur hatte ihm die glücklichste»Fähigkeiten ertheilt und geschickte Lehrer entwickelten sie. In ei- !nem Alter von 22 Jahren wurde er von dem Grafen Carls Bor- 'romeo nach Mailand berufen, und trat an die Spitze des ambro- 'sianischen Cvllegiums und der damit verbundnen Bibliothek. Mu- .ratori studirte hier die Alten und machte sich mit dem Vorzüglich-sten,der neuer» Zeit bekannt. Im I. 1700 rief ihn der Herzogvon Moden« als seinen Unterthan zurück, und machte ihn zu sei-nem Bibliothekar und Archivar. In diesem doppelten Amte wid-mete sich Muratori mit dem größten Eifer seinen Studien. DieZahl seiner Freunde vermehrte sich. Der berühmte Cardinal No- !ris, die Ciampini und Magliabecchi, die Benedictiner Mabillo»und Montfaucon, der Jesuit Papebrock, der Marquis Massel, derCardinal Quirini und viele andre ausgezeichnete Männer zogenihn bei ihren gelehrten Arbeiten zu Rathe. Die Akademien wett-eiferten um die Ehre, ihn unter ihren Mitgliedern zu zählen. DieAkademie der Arkadicr, die Akademie der Crusca, die etruscischeAkademie zu Cortcna, die königliche Gesellschaft zu London, die .kaiserliche Akademie zu Olmütz übersandten ihn fast zu gleicher Zeitdas Diplom. Die Verleumdungen seiner Feinde, daß er ein Keßerund Atheist sey, fanden bei einem so aufgeklärten Papst, wie Bene-blet XI V., keinen Eingang, welcher vielmehr Muratori in einemeignen Schreiben darüber beruhigte. Muratori starb im I. I 75 °-Hc besaß die umfassendsten Kenntnisse in der Jurisprudenz, W'losophie, Theologie, Poesie, Alterthumskunde, neuern GeschichteU, s. w. Sechsundvierzig Folio-, vierunddreißig Quart- und drei- ,zehn Octavbägdk enthaften seine zahlreichen Werke, von denen wir nurfolgend« nahmhaft machen können: I. Xpeciiora, gira« vx Lmdro-»jaiiso bihiiotllecae oo-lci. nuno primum eruit Q K. ükursro-riv«; r, Kneachora 6raec»; Z. Keiul» itallcLrur» ,digror°>!