Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
551
JPEG-Download
 

Musik - 55 r

k, bisher gangbaren Ideen erklärt worden, theils ist dabei hier noch

t, nachzuholen, ^.aß der Geist des Schaffens, der in der menschliche»

,, Natur verborgen liegt, stets dahin strebt, das, was er wiederholt

!> thun muß, nach einer gewissen Ordnung und Regelmäßigkeit zu

i. thun. Und somit mußte nun bald in dem Gesangs Tact und Rhyth-

l, «uis entstehen, die vielleicht auch bereits in dem Pulsschlage ei»

it natürliches Urbild vorfanden. Eine Nachahmung des Gesanges war

« nun die Instrumentalmusik, wie wir dies in diesem Artikel ausführ-et sicher gezeigt haben. Nachdem wir nun bisher im Allgemeinen über

>. hie physiologische Entstehung der Musik gehandelt haben, wollen

n wir zu dem Besondern und Angewandten dieser Kunst übergehen,

i! Da die Musik nicht in so fern auf den Menschen wirkt, als er

l- denkt, oder als er Vorstellungskräfte hat, sondern in so fern er

:> empfindet; so ist es dem Zwecke derselben gänzlich unangemessen,

!> eigentliche Gedanken und Vorstellungen darstellen zu wollen, und

ii jedes Tonstück, das nicht Empfindung erweckt, ist kein Werk der echte»

it Kunst. Dies ist der wabre Zweck derselben. Nächstdem kommen

it nun auch die Mittel in Betrachtung, in deren Kenntniß und Ge-

c-, 1 brauch eigentlich die Kunst besteht. Diese Mittel sind dreifach: dert, Gesang, die Tonart, die metrische und rhythmische, und endlich die>- Harmonie. Der Gesang, oder die Folge einzelner Tön«, in so

d. fern sie nach der besondern Natur der Empfindung langsamer oder

a geschwinder fortfließen, geschleift oder gestoßen, in größer» odera > kleinern Intervallen von einander getrennt, stärker oder schwächer,s höher oder tiefer, mit mehr oder weniger Einförmigkeit des Gan-

d -es vorgetragen werden. AhiS mehrern solcher Töne nun, die in

n und durch sich selbst zu einem Ganzen verbunden sind, entstehen

!> ^ Lätze, au» mehrern solcher Sätze, deren jeder das Gepräge der Em-« j Pfindung hat, besteht der Gesang. Die Tonart, in welcher ein

> Gedanke vorgetragen wird, ist rn so fern wichtig, weil eine jede

!- Tonleiter ihren besondern Charakter hat. Die Empfindungen des

>e ^ Herzens haben einen sehr starken Einfluß auf die Werkzeuge dern Ltimme: nicht nur wird die Kehle dadurch mehr oder weniger

d ^ geöffnet, sondern sie bekommt fauch eine mehr oder weniger wohl-

jl klingende, oder harmonische Stimmung. Dieses empfindet man,

u ? wenn man solche Menschen, die in Affect gesetzt sind, reden hört.

>, Wenn also unter den mannichfaltigen Tonleitern allemal diejenige

"> ausgesucht wird, deren Stimmung mit dem Gepräge der jedesmali-

u gen Empfindung übereinkommt, so wird dadurch der wahre AuS-

» druck dieser Empfindung noch mehr verstärkt. Das Metrische

>- und Rhythmische der Bewegung in dem Gesänge dient dazu,

e um Einförmigkeit und Mannichfaltigkeit in derselben zu erhalten.

u , Der Gesang bekommt dadurch jenen Reiz, wodurch das Gehör «er- '! anlaßt wird, auf die Folge desselben fortdauornde Aufmerksamkeitß ^ iu verwenden. Aber auch zum Ausdruck der Empfindung hat der" Rhythmus eine große Kraft. Die Harmonie, d. h., derje-

° dige Theil derselben, welcher dem Gesang zur Unterstützung und

r Begleitung dient, schließt ungemein viel Kraft zum Ausdruck deffel-

>, den in sich. Denn ihrer innern Natur nach gibt es beruhigende

>, und beunruhigende Harmonien, und durch ste also schon allein

a kann Ruhe oder Unruhe und Schrecken oder Fröhlichkeit in dem Ge-

: wüthe der Zuhörer erweckt werden. Dies sind, im Ganzen genom-

wen, die Erfoderniffe, die dazu gehören, eine Musik in ihrer Art

> dollkommen zu machen ^ sie müssen angewandt werden, wenn die