Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
555
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Musik (Geschichte der) 553

pibung sey, die von Guido Aretin, der um 1014 lebte, herrühreund die vielstimmige Musik, d. h. diejenige, wo eine oder mehrereStimmen mit den dazu gehörigen Instrumenten, auf verschiedneWeife eingeführt werden, eine Note immer mehr als die andre giltund die Zeichen derselben eben so wenig als der Tact gleich sind,zuerst erfunden habe. Dieser Guido Aretin, ein Mönch in einemKlcster bei Ravenna, hat seine Erfindung in dem Buche lMcroio-xm> beschrieben. Der deutsche Kirchengesang wurde übrigens erstvon Luther« eingeführt. Die Erfindung der Figuralmusik nach Ro-ten schreibt man dem Johannes de Muria (Jean de Moeurs, oderde Muris) zu. Au Anfange des löten Jahrhunderts kam die Figu-ralmusik aus Italien nach Deutschland. Nicolaus Dechius (Degius)führte zuerst im löten Jahrhundert zu Braunschweig mehrstimmigeMusikstücke auf, die damals etwas unerhörtes waren. Bei denChinesen verliert sich die Erfindung der Musik in die fabelhafteZeit ihres Kaisers Tschojong; bei den Ägyptiern soll Eham undsein Sohn Mizraim die Musik gelehrt haben. Die Lgyptier selbstaber schreiben diese Erfindung dem Thoyt, einem Freunde des Osi-riS, zu. Osiris, den man in die Zeiten Abrahams setzt, soll dieeinfache Pfeife, nach Ander» aber Maneros, den man fürden Linus, den frühzeitig verstorbnen Sohn des ersten Königsder Ägyptier, hält, die Musik bei diesen erfunden haben. So vielist gewiß, daß die Erfindung der Musik in Ägypten uralt seyn muß,da man schon in dem Grabe des Osymanduas bei Theben musika-lische Instrumente abgebildet gefunden hat. Osymanduas lebte 27Generationen- vor dem Sesostris, der nach Einigen 136z, nach An-dern, 1485 vor Christi Geb. regiert haben soll, woraus folgt, daßdie Ägyptier bereits 2000 Jahre vor Christi Geb. musikalische In-strumente gehabt haben. Die Griechen schrieben die Erfindung derSingkunst der Muse Melponene und die Erfindung der Instrumen-talmusik der Muse Erato zu, die beide Töchter des Jupiter undder Mnemosyne waren. Andre sagen, Epimetheus, noch Anderesein Bruder Prometheus, beide Söhne des Japetus, hatten dieMusik bei den Griechen erfunden. Die erste Periode der griechischenMusik fing mit dem Eadmus an, der etwa 2464 die Musik ausPhönizien mit nach Griechenland brachte. Doch bestand diese Musikbloß in. Anwendung des Rhythmus aus Klapper, Trommel undKlingel, welche man bei den Opferfesten ertönen ließ. Unter denGriechen war in ihren fabelhaften Zeiten Apollo in der Musik be-rühmt, dessen Name, wie Einige wollen, aus dem Worte Jubalentstanden seyn soll. Er soll einstens an dem Bogen seiner Schwe-ster, der Diana, zufällig einen Laut vernommen haben und dadurchauf die Erfindung der Harfe gekommen seyn. Zu seiner Zeit, wieauch zur Zeit der Minerva und des Amphion, war die Musist derGriechen weiter nichts, als eine Anwendung des Rhythmus aufi Cither und Pfe-fe, und der Gesang war ein rhythmisches Schreien.

! Andere aber schreiben die Erfindung der Saiteninstrumente unter

! den Griechen nicht dem Apollo, sondern dem Hermes zu, den die

Aomer Mercurius nannten, welcher am Nile die Lyra erfand. Wie-pudere machten den Bacchus oder Diouysus zum Erfinder derMusik, wie auch den Amphicn und seinen Bruder Zethus; erstermwll bereits Mercur eine siebensaitige Lyra geschenkt haben. Dieseramphion, der mit dem Cadmus zugleich gelebt haben soll, lernte«er den Lydiecn die lydische Mnfikart und führte dann diese in