Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
556
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5Z6 Musik (Geschichte der)

Griechenland ein. Einige eignen die Erfindung der Musik den Vor-fahren der Arkadier zu; diese waren Hirten und der Gesang dienteihnen zu ihrer Unterhaltung. Daher lehrten sie auch ihre Kindervon Lugend auf Singen, um ihnen ihre rauhe Lebensart in etwaserträglicher zu machen. Sie hatten weiter keine Instrumente, alsdie siebenröhrige Flöte und die Cyther. Einige sagen, Pan, derSobn des Mercurius, habe die einfache Flöte und Pfeife, Andere,er habe die siebenröhrige Pfeife erfunden, deren Röhren am Mundein gleicher Höhe standen, aber nach unten zu kürzer waren. Daraus,daß d,e Pfeife des Pan sieben Röhren und die Lyra des Mercur ineinigen Gegenden Griechenlands sieben Saiten hatte, schließt man,wiewohl mit Unrecht, daß man schon in den ältesten Zeiten Grie-chenlands sieben Töne in der Singkunst kannte. Unter diesen Tö-nen waren wahrscheinlich mehrere Octaven. Nach Andern soll nichtPan, sondern Minerva die einfache Flöte erfunden, aber bald,weil dieselbe sie entstellte, weggeworfen haben, da sie alsdann Mar-syas fand, dem man auch die Erfindung der Doppelflöte zuschreibt.Einige Schriftsteller melden sogar, daß Seirites die Pfeife zuerst inLydien erfunden habe; also wäre sie, dieser Angabe zu folge, ausdem Auslande zu den Griechen gekommen. Andre schreiben ihre Er-findung den Thebanern, Andere wieder den Cretensern zu. Wi-dias in Phrygien machte sich durch Erfindung der Querpfeife umdie Musik verdient. Linus von Chalcis, ein Sohn des Apollo undder Nymphe Psamate, soll nach Einigen die Cither erfunden, nachAndern aber die vom Apollo erfundne Lyra bekommen haben. Da eraber statt der flächsernen Fäden ordentliche Saiten darauf zog,wurde er dafür vom Apollo getödtct. Der Phrygier Marsyas ersiuiddie phrygische Tonart und der Thrazier Thamyras oder Thamyris,der acht Menschenalter vor dem Homer gelebt haben soll, die dori-sche Tonart. Vor dem trojanischen Kriege werden noch Orpheus,Musäus, Olympus und Philamon bei den Griechen als Musiker ge-nannt. In Böoticn, in dessen sumpfigem Thale es viel Rohr undSchilf gab, war die Flöte das gewöhnlichste Instrument. Die zweitePeriode der Musik der Griechen fängt mit dem trojanischen Kriegean und geht bis auf die Erneuerung der pythischen Spiele. DerGesang bestand hier anfangs in einer Deklamation, wobei die In-strumente den Rhythmus der Tone unterstützten. In dieser Periodewurde zuerst der Gesang mit Tanz verbunden. Auch soll der Phrh-zier Olympus, der aber nach Einigen früher gelebt haben soll, indiesem Zeitpunkte das enharmonische Klanggeschlccht erfunden haben.In der dritten Periode, die 580 vor Christi Geb. anfängt und bisauf Alexander geht, wurde das enharmonische Klanggoschlecht wiederabgeschafft, die Töne wurden musikalisch abgetheilt und Vocal- undInstrumentalmusik von einander getrennt. In dieser Periode sollsich Saccabes als der erste Solospieler auf der Flöte ausgezeichnethaben. Lasus von Hermione im Peioponesus, der 546 unter DarmsHystaipis lebte und der Lehrmeister des Pindarus war, ist unterden Griechen der erste, der über die Theorie der Musik etwas ge-schrieben hat. In dieser Periode zeichnete sich Pythagoras, der einSchüler des Thales und Pherecydes war, am meisten in der Muß-aus, die er von den ägyptischen Priestern erlernt hatte. Er erfandzuerst die mathematische Musik, oder die Abmessung der Töne durch

Zahlen, wozu ihm folgender Zufall die erste Veranlassung gegeben haben

soll. Er ging vor einer Schmiede vorbei und nahm mährend der