Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
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Z6r Muthen Mylius

hals; wer bei sichtbarer Unmöglichkeit der Gefahr zu entkommen fit !darei« begibt, ist tollkühn. !

Muthen, ein altdeutsches Wort, welches so viel bedeutet, alsum eine Sache förmlich anhalten, etwas verlangen. So heißt beiHandwerkern muthen, wenn ein Gesell um das Meisterrecht ob«um'die Aufnahme in die Innung förmlich ansucht; im Lehnswesni,ein Lehenmuthen so viel als bei dem Lehnsherrn um Ertheilmig desLehnS kJnvestitur) ansuchen; im Bergbau, eine Fundgrube muthe»,um Erlaubniß anhalten, ein« aufgcsundnc Grube bauen z« dürfe«, ,und damit belehnt zu werden. Daher heißt auch der Muthzettel in ^Bergbau ein Zettel, worin der Muther genau den Ort, Gang u, s. w.anzeigt, den er zu muthen gedenkt; bisweilen heißt aber auch Muth« !zettcl, Muthschein, ein dem Schumann, wenn er um die Lkhnsreich««ggehörig angesucht hat, von der Lehnskanzlei ertheilter Schein, worindas geschehene Ansuchen bescheinigt wird. '

Muttermahle. Wenn neugeborne Kinder gewisse Besonder- !heilen der Farben, Flecken auf der Haut u. s w. mit auf die Welt lbringen, so hat man dies Muttermahle genannt. Für die Sache jselbst spricht die Erfahrung, und die gemeinen Leute schreiben d-«S !einem Versehen der Mutter zu. Bringt das Kind einen dunkel- ,rothen Fleck auf der Haut mit, so heißt es die Mutter müsse in ihr« 'Schwangerschaft an dem Ort«, wo da« Kind den Fleck bat, eineKirsche getroffen habe. Znm Beweise für die Richtigkeit des Werft- jhens beruft man sich sogar auf Jacobs Kunst, bunte Lämmer z» jerzielen. Die Philosophen haben versucht, nicht allein die Mutter- ^Mähler, sondern auch andre Besonderheiten, als Verstümmelung, Gestalt,Vermehrung oder Verminderung der Gliedmaßen u. s. w. aus de«

Einfluß der Einbildungskraft und also der Seele der Mutter auf bat ;Kind zu erklären, Allein genaue und richtige Zergliederung lehrt, !daß von der Mutter keine Nerven nach dem Kinde gehn, welches doch j«rfoderlich wäre, wenn die Seele der Mutter auf die Bildung desKindes einen Einfluß haben sollte. Vielmehr haben genaue Beobach-tungen gelehrt, daß die Besonderheiten und Verunstaltungen des Kin-des, welche man für die Folge einer imaginarischen Idee hält, natür-liche Wirkungen solcher Beschaffenheiten in dem Körper und der Lag«des Kindes waren, welche theils vor der äußern Veranlassung derimaginarischen Idee schon anwesend waren, theils selbst nach der HEthese derer, welche diele Wirkungen der mütterlichen Einbildungskraftannehmen, dadurch nicht entstanden seyn konnten. Man stehtdergleichen Besonderheiten ohne vorhergegangne Einbildung det Mut-ter, «»gleichen auch bei Geburten im Pflanzenreich, wo kein« See» ,und also auch keine Einbildungskraft att der Bildung Antheil Hase» !kann. E« sind mithin alle dergleichen Dinge weiter nichts, als ewr ,Folge einer vorhergegangnen Unordnung in dem mechanischen Lebe«,aber nicht in der Seele der Mutter. <

Mylius (Christlich), geboren 1722 in dem Dorfe Reichend«-?bei Eamenz in der Oberlausitz, wo sein Vater Prediger war, bcsu-Vzuerst die Schule zu Camenz und ging von da nach Leipzig, v'"schloß er sich bald an die beiden Schlegel, Geliert, Zachariä und ft«Jünglinge an, die vereinigt damals für Kunst und Wissenschafttig waren. Lessing, der ihn wegen seines Witzes schätzte, ward >>vertrauter Freund, ohne darauf zu achten, daß Mylius in Ameou bseiner Sitten nicht in oem besten Ruf stand. Eigentlich hatte Wo»sich der Arzneikunst gewidmet, legte sich aber zugleich mit Sistr» > ,