S68 Mythen I
mögen übt, ist so enge, daß auch das minder Seltne aus Mangel ,einer Benennung für die Erinnerung verloren wäre, wenn es sichdasselbe nicht durch ein Symbol in seine Nähe rückte. So wird i»dieser Sprache der Mensch der Maßstab aller Dinge, und stellt lgleich die Phantasie das Unbekannte als übernatürlich vor, so wirddoch selbst das Übernatürliche vermenschlicht. Nichts als anschauliche iVorstellunaen der Einbildungskraft also, und nichts als anschauliche,für den Sinn bezeichnende, Ausdrücke finden wir in jener Sprache,die deßhalb die Sprache der Poesie ist. Der Mensch lernte also i»der Poesie zuerst seine Gedanken und Empfindungen ausdrücken undordnen; ihr übergab jedes frühere Zeitalter den ganzen Schatz sein« ^Erfahrungen und Gedanken. Daß hiedurch die historischen sgen zu poetischen wurden, springt in die Augen, aber eben Mpoetische Ansicht und Darstellungsart der Dinge wurde auch di« 'Mutter jener ältesten Philosophie, die man mit Recht dupoetische nennt. Auch sie ermangelte natürlich der abstrakte» Be-griffe, und verkürzte sich daher ihre Untersuchungen durch dichteri-schen Ausdruck. Da ihr nun für die sehr abstrakten Begriffe vonUrsache und Wirkung der Ausdruck mangelte, so gab die Phan-tasie das Gegenbild von Vater und Sohn, wodurch die ganze iEpeculation über Entstehung der Dinge und Wechselwirkung dersel-ben zur Genealogie wurde, die, wenn die Speculation sicherWeltentstchung erhob, nothwendig die Cosmogoni« (Weltentste-hungslctzrs) in Lhcogonie (Göttererzeugung) verwandeln mußte,da alle Kräfte zu einer menschcn ä hn lich « n Kraft gewordenwaren. Unausbleiblich mußte nun diese Philosophie zu einerTheologie werden, nach welcher, wenn die Speculation den ,höchsten Punkt erreichte, die Natur der Körper des Göttlichen, dieGottheit Seele der Welt, der Mensch aber Maßstab der Gottheitwurde. Durch solche Theologie wurde der Mensch des mythische»Zeitalters der Religion in die Arme geführt, und mehrere Un>-stände vereinigten sich, dieser einen bleibenden, alles besiegende»Einfluß zu verschaffen. Glaube a» eine Gottheit ist dem Mensche»natürlich, Ergreifen einer Religion unentbehrlich. Mag nun, nueein Alter sagt, 'Furcht die Götter geschaffen haben, oder Dankbar- ,keit, oder überwältigende Bewunderung, so kam der Mensch MIdee von höheren Wesen doch gewiß immer aus dem Wege des Ge-fühls. Einmal von dem Gefühl erzeugt, hielt die Begierdtdiese Idee fest; Hoffnung und Furcht fesselten Menschen an su>Wohlseyn ist der Wunsch des Menschen, den er nur mit de»>Leben selbst aufgibt, und ahnet oder weiß er nun, sein Woblse?»hange von unsichtbaren, höheren Mächten ab; so ist sein Verhüllenzu ihnen unauflöslich, und dringend der Wunsch, jene Mächte Mgeneigt zu machen. Wer, wenn der Mensch bis auf diesen Po»«geführt war, über den Andern durch eine größere Kraft des Geip»stand, der unterwarf sich jetzt den ungebändigten Sinn. Wer zu«»ordentlich zu beten, durch Zauberformeln zu wirken vermochte, dererschien jetzt als ein Vertrauter jener höheren Mächte und Mein Wesen höherer Art. Der Priester entstand, Schamane, Se-her, als Mittler zwischen Gottheit und Menschheit, zugleich «GRichter, Prophet, Dichter und Aufbewahrer dessen, was die "briswußte. Im Gesänge ließ er die Sagen der Vorzeit leben, gas "Liedern Rath, Lehre, Warnung, Gesetz, und dichtete den feieru»!- ^Hymnus am geweihten Festtag. So entstand denn aus dieser M