Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
569
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Mythen

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schen Philosophie die Religion, die in ihren Elementen eben s»poetisch als die Philosophie, also keineswegs eine Religion inner-halb der Grenzen der Vernunft, sondern eine Religion der Einvil-dungskcaft war. Entblößt von allem, was eine tiefere Betrachtung,langbewährte Erfahrung, Erkenntniß der Natur ihr bieten können,stand auch ihr nichts zu Gebot, als eine dürftig« Kenntniß derMenschennatur in ihrem Begehren und Verabscheuen, Streben undWirken, und diese Erkenntniß trug die Einbildungskraft über indie Natur, dichtend, wo die wirkliche Erkenntniß noch versagtwar. Ein Schein trat an die Stelle des Wesens, ein schönerTraum an die Stelle der Wahrheit. Alle Religion jener Zeitenkonnte nichts anders als Mythologie werden, weil die Cosmogoniesich als Genealogie der Götter gestaltet hatte. Demnach erscheintals einer der wichtigsten Bestandtheile der Mythologie noch z. derreligiöse- der bald so vorherrschend darin wurde, daß er deralleinige schien, weßhalb man Mythologie geradezu als Göt-terlehre oder Theologie der polytheischen Religionenerklären zu können glaubte. Der Grund jenes vorherrschend Wer-dens liegt in der unbezweisclbaren Hierarchie jenerZeiten. Durchdie Priester und ihr Amt trat die eigentliche Sagengeschichte, diePhilosophie, die Astronomie in enge Verbindung mit der Religion,alles erhielt ein religiöses Kolorit, Sagengeschichte und Philosophiewurden dadurch geheiligt, und verflossen endlich zu der Zeit, woman nöthig fand, das bisher Vereinzelte in ein System zusammen-zufassen, so ganz in die Religion, daß sie nun wirklich Theile der-selben ausmachten. Daß dies hei verschiednen Rationen auf eigen-thümliche Weise geschah, läßt sich leicht denken, im Ganzen undWesentlichen aber geschah es überall, und daher kommt es, daß dieMythologie zugleich als älteste Religionsgeschichte betrachtetwerden muß. Nach dieser Entwickelung des Wesens der Mytholo-gie springt ihr. Nutzen und ihre Wichtigkeit von selbst in die Augen;freilich aber wird sie in einem ganz andern Geiste behandelt wer-,den müssen, als sie fast bis gegen das Ende des vorigen Jahrhun-derts behandelt wurde, wo man die Mythologie nur bei den Grie-chen und Römern, höchstens noch bei den Lgyptiern suchte, undbald als ein Spielwerk für müßig« Köpfe, bald als ein nothwendi-ges übel zum Verständniß der alten Dichter betrachtete. Heyer,mag er auch im Einzelnen mannichfaltig geirrt haben, hat hier umbesseres Verständniß und Würdigung unsterbliche Verdienste sicherworben, so wie auch Meiners durch seine zusammenstellendenBergleichungen. Nur nach solchen Vorarbeiten waren Untersuchun-gen möglich, wie sie jetzt Völliger und Creuzer anstellen.Allerdings gibt es noch überall im Einzelnen gar viel zu thun,weßhalb man mit reinem Danke allem begegnen wird, was hier einVoß, Eichel, Zoega, Dornedden, Buttmann, Lobeck,Manso, Kanne, Gurlitt u. A. geliefert haben und noch lei-sten; allein einzig, auf dem historischen Wege ist doch am Ende zugewinnen, was hier gewonnen werden kann und soll. Die Mytholo-gie hat keinen geringern Umfang als die Geschichte selbst, denn jedeRation, die sich aus sich selbst herausgebildet hat, hat ihre Mytho,legte, andere Nationen haben zwar keine ursprüngliche, aber einemmatisch umgebildete. Ob alles von einer einzigen Urmytholozieausgegangen sey, ist freilich noch problematisch. Wagners Ideeni» einer allgemeinen Mythologie und Görres Mythen-