634 Neapel (Königreich)'
Nazäreth, ein Landstädtchen in Galiläa, lag zwölf deutscheMeilcn nördlich von Jerusalem auf ein,'in Gebirge, dessen schöneGegenden von den Reisenden noch jetzt gerübwt werden. Merkwür-dig war es als der Aufenthaltsort der Ältern Je°'u, die nach ihrerRückkehr aus Agnpten dahin zurückkehrte», und ihn darbst erzo-gen. Daher wurde er bisweilen von den Luden spotlweise der Na,zarencr genannt, weil dies Städtchen nicht im Rufe bewndrer Bil-dung stand. Dies zeigte sich an der. UnempfLnglichkcit der Nazare-ner für seine Lehren, und er hatte Ursach, sich nach dem Antritteseines'Lehramts nicht weiter d,-selbst aufzuhalten. Na zarenerwurden auch die ersten Christen bisweilen von ihren Gegnern ge-nannt, und noch jetzt gibt es im östlichen Asien,,christliche Gemein-den, bei denen sich dieser Name erhalten hat. Über die Secte derNazarener »ergl. den Art. Secten. L.
Neapel (Königreich.) Das Königreich Neapel im unternItalien wurde vor der Römer Zeit von barbarischen Völkern be-wohnt, an deren Küsten sich griechische Colonien niederließen, vondenen der untere Theil Italiens den Namen Groß-Griechenland er-hielt. Nachdem die Römer in der Ausbreitung ihrer Herrschaft überItalien sich auch dem untern Theile desselben genähert, die Sam-niter nach einem hartnäckigen oit erneuerten Kampfe besiegt undden König Pyrrhus von Epirus, welcher den Tarentinern zu Hülfeeilte, zurückgeschlagen hatten, vollendeten sie im I. 481 nach Er-bauung Roms durch die Eroberung von Larent ihre Herrschaftüber das untere Italien. Nach Vernichtung des weströmischenReichs (47Ü nach Christo) wurde der untere Theil Italiens von dcnOstgothen beherrscht, während Sicilien den Vandalen in die Händefiel. Beide Länder gerielhen jedoch bald unter die Botmäßigkeitder griechrschcn Kaiser, die sich als die Erben des weströmischenReichs betrachteten. Im neunten Jahrhunderte ließen sich die Ara-ber oder Saracenen in Sicilien nieder und führten von da Strei-sereien nach dem untern Theile Italiens aus. Nach langwierigenKämpfen behaupteten sich jedoch die Normannen iw elften Jahr-hunderte im Besitz beider Länder. Roger II., aus einem alten nor-mannischen Geschlecht, machte die Vereinigung beider Lander dadurchnoch fester, daß er sich im I. nzo zum König von Apulien, Cala-brien und Sicilien erklärte. Man nannte von nun an die vereinig-ten Länder: beide Sicilien oder das Königreich beiderSicilien, indem man Neapel als em diesseit der Meerengeliegendes Sicilien ansah. Durch die Vermählung der Tochter undErbin Rogcrs, Constance, mit Kaiser Heinrich Vl. gericrh dasKönigreich beider Sicilien an.das yohenstausischc Haus. Da dieseNachbarschaft des mächtigen Kaiserhauses dem päpstlichen Interessezuwider war, so schenkte Papst. Urbau I V. das Königreich dem Bru-der Ludwigs IX. von Frankreich, Carl von Anjou, welcher dcnrechtmäßigen Erben Conre.din enthaupten ließ. Da ihm aber balddarauf (1282) Sicilien durch den arglistigen König von Lragonien,Peter III., entrissen wurde, so verlor sich auf einige Zeit der Slawedes Königreichs beider Sicilien, indem das Königreich Neapel vonnun an abgesondert existirte. Nach dem Tode der Königin Jo-hanna II. setzte sich Alphons V., König von Aragvnien, in Be-sitz von Neapel. Ferdinand der natürliche Sohn Alphons V.,wurde indessen im Besitz der Königreichs Neapel von Ludwig Xl.Kbiug von Frankreich, angefochten, der die Ansprüche des Hauses