Neapel (Königreich) 635
Lnjou auf dieses Land geerbt hatte. Carl VIII., König von Frank-reich unternahm, um diese Ansprüche zu behaupten, jenen berüchtig-ten Zug nach Italien, auf welchem er Neapel eben so geschwindwieder verlor, als er es erobert hatte. Carls Nachfolger, LudwigXll. verband sich mit dem hinterlistigen Ferdinand dem Catholi-schen, König'von Aragonien, (der auch von seinen Vorfahren her nochim Besitz Sicilien war) zur Eroberung von Neapel. Allein Ferdi-nand wußte die Franzosen zu täuschen und sich selbst im alleinigenBesitz von Neapel zu erhalten. Ao wurde das Königreich beiderSicilien ein Theil der spanischen Monarchie, und blieb es bis zudem spanischen Successionskrieg, der nach dem Tode CarlsII. von Spanien ausbrach. Die Österreicher bemächtigten sich Neapets,während der'Carl dem II. zum Nachfolger ernannte französische Prinz,Philipp V. sich im Besitz von Sicilien behauptete. Durch den ut-rechter Frieden, welcher den spanischen Successionskrieg (171z) endig-te, wurde Neapel den Österreichern und Sicilien dem Hause Ga-vcyen zugetheilt. Als Spanien indessen im I. 1717 Sardinien undSicilien angriff, tauschte Österreich Sicilien von Savoyc» für Sar-dinien ein, so daß also das Königreich beider Sicilien nun einTheil der österreichischen Monarchie wurde. In dem Kriege, wel-cher i?Zg nach dem Tode Augusts II., Königs von Polen, entstand,eroberte und behauptete Spanien beide Sici.I.ien für den spanischenInfiniten Don Carlos. Der Versuch, den die Österreicher imisJ. 1744machten, sich wieder in den Besitz dieser Länder zu setzen, mißglücktevorzüglich durch die Folgen des Gefechts bei Veletri. Als jenerspanische Infant und König beider Sicilien nach dem Tode seinesHalbbruders, (im I. 1759) den spanischen Thron bestieg, übergab erdas Königreich beider Sicilien seinem dritten Sohn Ferdinand, mitder Bedingung, daß es nie mit der spanischen Monarchie wiedervereinigt werden dürfe. Dieser neue König beherrschte nun unterdem Namen Ferdinand VI. Neapel. Im I. 1794 verwickelte ihndie Theilnahme an der Coalition in Krieg mit Frankreich. .DieFranzosen eroberten Neapel und errichteten daselbst die sogenannteparthenopeischc Republik (1799), nach dem alten Namen der StadtNeapel Parthenope.. Ferdinand, welcher seine Residenz indessen zuPalermo aufgeschlagen hatte, kehrte zwar unter Begünstigung derSiege der Russen und' Österreicher in Italien im ^J. 1802 nachNeapel zurück, allein die Theilnahme an der Coalition von 1805verursachte, daß er nach Besiegung der Österreicher Neapel aufs neueverlor, und daß Napoleon seinen Bruder Joseph an FerdinandsStelle zum König von Neapel ernannte. Die Besitzergreifungkonnte jedoch nicht vollständig vollzogen werden, indem die alteDynastie sich, von den Engländern als Herrn zur See unterstützt,im Besitz von Sicilien glücklich erhielt. Als im I. I8c>7 König Jo-seph auf den spanischen Thron berufen wurde, folgte ihm in derRegierung von Neapel (im Juni i8<B) Murat, der Schwager Na-poleons, bisheriger Großherzog von Berg, unter dem Namen Joa,chim Napoleon. DieiHinneigungzumSystem derAlliirten, welche dieserFürst »m Frühjahr 1813 zu bezeigen schien, die Begierde Eng-lands, immer größere Massen von Strcitkräften gegen FrankreichMammenzubringen, die Politik Österreichs, sich eines künftig alsFoderirten zu behandelnden Alliirten i» Italien zu versichern, ver-anlaßten, daß Österreich und England durch Specialtractaten,welche andre Diplomatikcr politische Monstruositäten genannt haben,