Band 
Sechster Band. M und N.
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6z6 Neapel (Stadt)

welche jedoch von dem Unbefangnen und Genauunterrkchteken durch-aus gebilligt werden wußten, dem König Joachim den fernern Besitzseiner Monarchie garantirten. Welche politische Combinationen indieser Hinsicht noch eintreten werden, muß die Zukunft lehren.Vielleicht wird auch der Papst die alten durch Urban IV. gegründe-ten Ansprüche des päpstlichen Stuhls, Neapel als päpstliches Sehenzu behandeln, wieder geltend zu machen suchen. Nach Inhalt derConstitution sollte die neapolitanische Krone, wenn der Mannsstam«der joachimschen Dynastie ausgestorben seyn würbe, an NapoleonsNachkommen fallen. — Das Königreich Neavel (ohne Sicil'en) ent-hält mit den von ihm enclavirten Lehnsfurstenthümcrn BeneventUnd Pontecorvo aus 1447 Quadratmeilcn über fünf Millionen Men-schen, so daß beinahe viertchalbtausend Mensche» auf die Quadrat-weile gerechnet werden müssen. Diese außerordentliche Bevölkerungist eine Folge der üppigen Fruchtbarkeit des Bodens und der Mildedes Clima's, welche Neapel zu einem der reizendsten Länder der Erdewachen. Seit die napoleonische Dynastie den neapolitanischen Thronbestiegen hat, und vorzüglich seit der Regierung des jetzigen KönigsJoachim sind eine Menge von Mißbräuchen verschwunden, welchesich der Cultur, dem Wohlstand und der geistigen Ausbildung desLandes unter den vorigen Regierungen entgegengesetzt hatten. Das !Militär, die Finanzen, die öffentlichen Sicherheitsanstalten sindvorzüglich in einem verbesserten Zustande. In den vierzehn Provin-zen, aus welchen das Königreich besteht, zählt ma» 144 Städte,2067 Flecken und Dörfer und über 800,000 Feuerstellen. EinigeAlbanier ausgenommen, welche an den Küsten leben, bestellen die°Einwohner bloß aus Italienern, welche einen eignen Provinzial-bialecr reden. Da die Religion ohnehin allgemein katholisch ist,so konnte sie in der neuen Constitution ohne Bedenten für dieherrschende erklärt werden. Die übermäßige Zahl der Geistliche»

«nd Klöster hat sich seit der neuen Regierung bedeutend vermindert,aber nicht der so zahlreiche Adel, welcher hier im J.> 17S8 noch120 Fürsten, rzo Herzöge, 170 Marchesen, 40 Grafen und 45 »Warane auszuweisen hatte. Die Staatseinkünfte betragen zwischen !

12 und iz Millionen Ducati. Die Staatsschuld wurde im I. 1808 >

auf 67 Millionen Ducati geschätzt.

Neapel (Stadt.) Neapel ist die Hauptstadt des Königreichstiefes Namens und überhaupt die größte Stadt in ganz Italien,

Sie enthält mit den Vorstädten 5 Meilen im Umkreise. Im 3 - !

1808 zählte man daselbst 513,000 Einwohner, unter welchen sich40,000 Lazzaroni und 4000 Ldvocaten befanden. Die Stadt liegtan einem Meerbusen, den die Italiener Erstere, das heißt Schale(oder Bassin) nennen. Der Hafen von Neapel ist zwar groß u»d"Lurch mehrere Castelle,gedeckt, allein dennoch so wenig sicher, daßes her dem bisherigen Übergewicht der Engländer zur See und demWerfall der neapolitanischen Marine (welches bei Neapel kein >Wunder seyn kann, da eigentliche Seemächte durch die Engländerin einen noch größer» Verfall gerathen sind) nicht unglaubhaft ist,baß während des letzten Kriegs die Engländer zuweilen feindlicheSchiffe mitten aus dem Hafen von Neapel gewaltsam herausgezogenhaben. Unter oben erwähnten Castcllcn verdient vorzüglich dasCastcll St, Elmo oder St. Emsmo bemerkt zu werden. Aufdem Berge dieses Castclls befindet sich ein Carthäuserkloster, oo»welchem aus man eine der schönsten Aussichten in der Welt hat. Die