Nero 627
der Billigkeit und Mäßigung, und als einen Feind der Gewalttha-ten. I» einem höher» Grade als alle Götter der drei Wrundele-uicnte, Luft, Erde und Wasser, hat er die Gabe zu weissagen, und,gleich andern Waffergöttern, verwandelt er sich in allerlei Gestalten.Mit der Doris, der Tochter des Oceanus, seiner Gemahlin undandern Göttinnen zeugte er die Nereiden (siehe den Artikel Nym-phen). Seine Wohnung ist im ägcischen Meere. Als Paris mitder geraubten Helena dieses Meer durchschiffte, weissagte ihm, nachjener schönen Ode des Hvraz, Rcreus den Untergang von Troja.In den alten Kunstdarstellungen sowohl als von den Dichtern wirder als ein Greis von würdigem Ansetzn vorgestellt.
Nero (Lucius Domitius, spater Claudius Drusus), war derSohn des Cajus Domitiüs AÄiobarbus und der Tochter des Ger-maniens, Agrippin», und wurde zu »Antium den izten DecemberZ7 nach Christo geboren. Als Agrippina später den Kaiser Clau-dius heirathete, wurde er von diesem adoptirt und folgte ihm iirder Regierung im Jahr 54 nach Christo. August, der erste römischeKaiser aus der Familie der Cäsacn, hatte seine Regierung grau-sam begonnen, aber gemäßigt und mild geendigt. Nero, der letzterömische Kaiser aus der Familie der Cäsarn, begann mild und en-digte grausam. Er hatte eine vortreffliche Erziehung bekommen».Burrhus hatte ihn mit allen den Kenntnissen und Grundsätzen aus-gerüstet, die den großen General und Staatsmann bilden, währen!»Seneca ihn mit der Philosophie und schönen Literatur bekanntmachte. Der Anfang seiner Regierung übertraf selbst die Erwar-tungen, die man sich nach einer solchen Erziehung von ihm machenkonnte. Als man ihm ein Todesurtheil zur Unterzeichnung vorlegte,äußerte er den Wunsch, nicht schreiben zu können. Allein der sieb-zehnjährige Herr der Welt sollte sich nicht lange in diesen Schran-ken halten. Dle Schmeicheleien und Verführungen des Freigelasse-nen Narciffus brachten einen Charakter, der bis dahin nur ge-schlummert zu haben schien, bald zum Ausbruch. Nero ließ denBritanniens, den Sohn des Claudius, zu dessen Nachtheil er durchBegünstigung der Agrippina den Thron bestiegen hatte, vergiften.Bald überließ er sich den gröbsten Ausschweifungen. Er ließ Agrip»pma, seine Mutter, ermorden. Diejenige Leidenschaft, welche überalle andern bei ihm die Oberhand hatte, war die Begierde, für ei-nen große» Künstler in der Musik gehalten zu werden. Er ließsich öffentlich hören, und ausgestellte Soldaten mußtey diejenigen be-obachten, welche nicht geneigt schienen, seine Stimme und seinSpiel zu bewundern. Auch im Wagenrennen wollte er glänzen.Er durchzog mir einem Heer von Künstlern in seinem Gefolge ganzGriechenland und gewann natürlich in allen feierlichen Wettkämpfer:und Spielen dieses Landes die ersten Preise. Als Frau gekleidetheirathete er den Pythagoras und später den Dorpphorus. AlsMann heirathete er den Sphorus, einen jungen Menschen, den ercastriren ließ, um ihn seinem Frauenstande etwas näher zu bringen.Wie glücklich würde die Welt seyn, sagten die römischen Witzlinge,als Nerv mit dieser jungen Frau öffentlich erschien, wenn der Va-ter dieses Ungeheuers nur immer solche Weiber gehabt hätte. Dieberühmtesten Opfer seiner Grausamkeit sind außer dem BritannicuS»nd der Agrippina, sein Lehrer Burrhus und Seneca, seine Ge-wahlinnen Ocravia und Poppäa Sabina, und der Dichter Lucan.Meine Vorgänger, sagte er, haben die Rechte der Alleinherrschaftkep. (N. Aass) Vk- 4 ?