Band 
Sechster Band. M und N.
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688 Nicvlai (Chr. Fr.)

lion und den gebildeten Ständen der Stadt Berlin aneigneten, nichtLloß auf die größere Schärfe und Steife der praktischen Intelligenzseiner Rat on mit einwirkte, sondern zugleich, indem er bei diesemEhayakter sc.ner Thätigkeit nothwendig viel polei.iischc Reibungenveranlaßte, den Neid, die Eifersucht und dir Abneigung der Süd-deutschen gegen die Norddeutschen, namentlich die Feindschaft allerObskuranten gegen die ,, fre-denkenden" Berliner, aufregte, dieEigenliebe der Nachbar» verwundete, und, da zumal politische Ursa-chen in einer andern Sphäre dazukamen, eine Art Voikswiderwille«in Deutschland gegen die Preußen hervorbrachte. Man konnte ins-besondre ihm, dem Vereinigungßpunktc aller scharfen und kühne»Denker, es nicht vergeben, daß er das Ganze aufklären, und in derTheorie wie in der Praxis des Lebens, nicht allein selbst verständi-ger seyn,-sondern auch die gesammte deutsche Nation weiter führ,»wollte. Daß ihm einige Anmaßung und polemische Leidenschaftlich-keit be! seiner an sich edlen und dem deutschen Gesammlwesen sehrersprießlichen Thätigke r mit Recht Schuld gegeben ward, woll«»wir nicht leugnen. Doch bleibt es wahr, daß es ihm nur um dieSache, nicht um die Person zu thun war, und daß ihm bei sein»eignen strengen Denkwe se die milderen und bequemeren Forme»fremd oder unpassend erscheinen mußten. Auch als Buchhändler ge-hörte N-colai zu den wenigen, die nicht den kaufmännischen Gewinn,sonder» die Wissenschaft selbst, nach ihrer Ansicht von derselben, be-rücksichtigten, und ihre ganze Thätigkeit auf diesen Zweck verwende-ten. Seine Biographie'eiklärt diesen merkwürdigen Charakter undden wichtigen Einfluß eines Buchhändlers auf die Cultur einesVolks uns den geistigen Nativnalzusammenhang der Deutschen. BEfünften Jahre an,^wo Nikolai seine Mutter verlor, lcbre er, cnl-fernt von seinen altern Brütern und von jugendlichen Bergnügui-gcn, ziemlich einsam in dem Hanse seines Bakers, der, den ganze»Lag in seiner Buchhandlung beschäftigt, den Sohn selten sah, Waber an strengen Gehorsam gewöhnte, und ernst, doch freundlich be-handelte. Diese Erziehung, wo Nikolai als Kind schon so vielentbehren mußte, machte ihm die Einsamkeit lieb. Er-lernte sichmit sich selbst beschäftigen, stets thätig seyn und sich gleichmütig-'in die Nothwendigkeit fügen. So ward er unabhängig von de«Äußern und Zufälligen, und folgte ungestört dein kräftigen Triebein seinem Innern, sich selbst auszubilden. Auf den gelehrten Schu-len zu Berlin und Halle aber lernte er bei seiner leichten Fassungs-kraft und seinem guten Gedächtnisse zwar vielerlei, doch alles stunter einander, daß ihm das Sturere» unangenehm wurde. Erst mber damals errichteten Realschule zu Berlin fand sein Geist Be-friedigung. Die zweckmäßige Anleitung über das, was er lern«,richtig zu denken, welche er daselbst erhielt, zeigte ibr» nicht nur den We-berselbstthätigen Entwickelung, sondern gab-hm auch Lust und Muth, dusen Weg eifrig fortzugehn. Aber zu semem großen Schmerz schlcktema»ihn im I. 1749 nach Frankfurr a.d. Oder, um die Buchhandlungzu lerne». So ungünstig h er seine Lage zum Studiren war, stfand er doch durch Entäußerungen und Beyarrlichke t Muße, umfür sich, ohne mündliche Anweisung, und odne seinen Beruf zu ver-nachlässige», lateinisch, griechisch und englisch zu lernen, zugleHlas er die besten Dichter in diesen Sprachen, und erlangte nicht um >beträchtliche Kenntnisse in Mathematik, Geschichte und PhiloiopomAm eifrigsten studirte er Gclehrkengeschichte, Seitdem ging Nie«»