Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
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Nicolai (Chr. Fr.)

stets den mühsamen Weg der eignen Forschung, selbst auf die Ge-fahr, einseitig in seinen Ansichten zu werden. Streng und beharr-lich in seiner Thätigkeit, ergriff er auch nachher, als er iin I.1752 nach Berlin in die väterliche Buchhandlung zurückkam, allesmit Kraft, was im Gebiete des Verstandes und der Kunst seineAufmerksamkeit erregte. Sein Geschäft füllte den Lag aus, er-kennte nur den frühen Morgen und einen Theil der Nacht — oftdie ganze Nacht — dem Studiren widmen. Die Zerstreuungen dergroßen Stadt achtete er wenig, Musik ausgenommen. So lebte erdrei Jahre. Die deutsche Literatur war damals durch Gottschedund Bvdmer in zwei Parteien getheilt; Nicolai blieb in seinemUrtheile selbstständig. Sein Scharfsinn entdeckte bald das Einseitigejeder Partei. Da ward es ihm, der in Berlin keinen wissenschaft-lichen Umgang hatte, Bedürfniß, als Schriftsteller aufzutreten, unddie Wahrheit, welche auch hier zwischen beiden in der Mitte lag,freimüthig darzustellen. Er that dies in den Briefen über denjetzigen Zustand der schönen Wissenschaften, die im I.i ?55 erschienen. Sie machten Aufseh»; denn es war ohne Beispiel,daß der Verfasser zu keiner von beiden Fahnen schwor, sondernBodmern sowohl, als Gottscheden, aus Gründen tadelte. Les-sing, der wie Nicolai dachte, suchte des Verfassers Bekanntschajt,ward sein Freund, und machte ihn mit Moses Mendelssohnbekannt, der, wie Nicolai, ein junger Kaufmann, ohne eigne Haus-haltung war. Jetzt beginnt eigentlich Ricolai's höheres geistigesbeben. Die drei engverbundenen Freunde kamen wöchentlich zweioder drei Mal zusammen. Ohne in der gelehrten Welt einen Stand,

! oder Verbindungen und sichre Aussichten zu haben, folgten sie em-sig ihrem wissenschaftlichen Eifer mit selbstständiger Kraft und Frci-heit', ohne Rücksicht auf Borurtheil oder das Ansetzn der Meinungund Gewbhnheit. Sie untersuchten i» ihren wissenschaftlichen Un-terredungen die Gründe für oder gegen einen Satz, ohne sich durchb>e Freundschaft zu einander — wie dies wohl bei ähnlichen Ver-bindungen in neuerer Zeit der Fall gewesen seyn dürste — gegensei-tig zu täuschen oder zu schmeicheln. Moses und Lessing dach-' te» gleich vorurtheilsfrci, gleich edelmürhig, ipahrhcitiiebend unsawpruchlos; sie prüften Alles gleich freimüthig, scharfsinnig undklar, im Entwickeln, Trennen und Bestimmen der Begriffe; dochwar Lessing lebhafter und kühner, Moses bedächtiger und siche-rn. Nicolai war ihnen wenigstens gleich an lebhafter Wahrheits-liebe und an Muth und Eifer, durch deutliche Begriffe die Er-kenntniß des Wahren zu fördern. Alle drei waren heitern Geistes;ße liebten Scherz und Witz, vergaßen aber nie die gegenseitige Ach-tung; so störte nie ein Mißverständniß oder gekränkte Eigenliebeihren freundschaftlichen Umgang. Viele Jahre hindurch suchten siebald einstimmend, bald verschieden, aber stets mit Unbefangenbcitund gegenseitigem Zutrauen, durch offenherzige Mittheilung ihrerGedanken das Wahre zu erforschen. Dies war der erste Vereini-gungspunkt in Berlin, wo unter Friedrich dem Großen die gröpreTienkfreitzcit herrschte, für alle in ihren wissenschaftlichen Ansichtenübereinstimmende Gelehrte; und an dielen Kern schloffen sich, in derstdlge die meisten guten Köpfe Deutschlands an. Nicolai sühne' M, (im I. 1757), nach gecndigter Erbtheilung mit seinen Brüdecn,°n> langst gehegten Wunsch aus, der Handlung zu entsagen. Er«rote von einem sehr kleinen Einkommen, das aber dem Sparsamenkyr. Auf,.) vr. 44