Band 
Sechster Band. M und N.
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690 Nicolai (Chr. Fr.)

und Mäßigen genügte, in den theuern Jahren des KrlegeS, ganzden Wissenschaften. Winkelmanns Schriften und die Betrach-tung aller Kunstwerke, die er zu sehen Gelegenheit hatte, machte»ihn mit den bildenden Künsten und der Baukunst bekannt. SechFreund, der preußische Kriegsrath Marpurg, unterrichtete ihn inder Tonsetzkunst. Übrigens trieb ibn seine Wißbegierde von Sprachezu Sprache, von Wissenschaft zu Wissenschaft, von einem ihm nochverborgenen Theile der Literatur zu dem andern. Dieser Durstnach Vermehrung der Kenntnisse verließ ihn auch im Alter nicht.Alles Neue und Wiffenswürdige, was ihm aufßicß, suchte er nn'Ibeharrlichem Eifer sich anzueignen, oder wenigstens einen klaren Be-griff davon zu erlangen. So wurde er, wie Solon, alt, indem ertäglich hinzulernte. Bei dieser ununterbrochnen Thätigkeit des Sin-nes für Wahrheit war wissenschaftliche Erkenntniß "im Älter sei»!Erheiterung, und im Kummer fein Trost. Seine freie, literariicheMuße ward schon hm Herbste 1758 unterbrochen. Sein älterer Bru-der, der Besitzer der väterlichen Handlung, starb. Das Wohl dtkFamilie machte es ihm zur Pflicht, die Handlung selbst zu überneh-men. Ohne Neigung zum Geschäft und ohne Erfahrung mußte erdasselbe neu einrichten. Er unternahm es mit Schulden und unterhäuslichen Sorgen; denn er hatte im I. 1760 gehcirathet. Aber dufrüh crworbnc Fertigkeit, jede Viertelstunde zu benutzen, und sichdurch nichts Äußeres im Lesen oder Nachdenken stören zu lassen, jeselbst mehrere Gegenstände seinem Geiste gegenwärtig zu erhalte»,«m den abgerissenen Faden sogleich wieder zu ergreifen, erleichtert!ihm nicht nur sein Hundlungsgeschäft, sondern dielt auch seine»Geist durch wissenschaftliche Erholung über den Berufszwang empor, ^Laßer nie ermattete, noch unter der Last der Sorgen erlag. Seineerste große Unternehmung war bieHerausgabe der Bibliothek derschönen Wissenschaften in Leipzig., zu welcher sich MoselMendelssohn mit ihns vereinigte. (4 Bünde Leipzig 1757 bis1760.) Dom gten Bande an übertrugen sie die Herausgabe ihreaFreunde Weiße in Leipzig. Mit dieser Bibliothek hat die bessereKritik in Deutschland begonnen. Freimüthig und belehrend zog sirnur das Ausgezeichnete "in ihre Sphäre, und bildete keine Schule ^«der Partei. Hierauf gaben die drei Freunde, unterstützt von ,Abbt, Resewitz, Grillo und Sulz er, im I. 1759 bis 1765 ,die Briefe, die neueste Literatur betreffend, heraus, welche !durch ihren Witz in Deutschland zur Beförderung freimüthiger Kri-tik so viel wirkten; doch konnte Nicolai seiner Berufsgeschäste we-gen nur wenig daran Theil nehmen. Diese classische periodischrSchrift gab der deutschen Literatur eine selbststandige Richtung. Eierschienen 24 Theile, Berlin 1761 bis 1766. In der Folge erhieltNicolai mehr Muße; er brachte daber im I. 1765 den Plan zurAusführung, eine allgemeine deutsche B i b l i otb e k heraus-zugeben. Eine beträchtliche Zahl berühmter deutscher Gelehrter inallen Ländern Deutschlands verbanden sich mit ihm; und hierhin«erwarb sich der unermüdct thätige, stets folaeiecht handelnde Nico-lai das große Verdienst, alle deutschen Lander durch ein gemeinschafl-lichcs. leterariiches Interesse zu verknüpfen und mit einander naherbekannt zu machen. Die deutsche Bibliothek beförderte Dein-sreihcit, und wurde die w-chngste Zeitschrift, in welcher die damalssich ausbildende teutsche Gelcbrlenrepubltk ihr freies Stimmre«!zuerst geltend machte. Sie bestellt nicht selten Woriirtheile und