720 Nordische Mythologie
sei, N erg th or s Tochter, zum Werbe nahm. Mit dieser zeug!» «drei Söhne: Odin, Wile und We, welche d e Beherrscher deiHimmels und der Erde wurden. Die Söhne Bö-s waren gut, d»Kinder Umers bös: beide waren in ewiger Fehde gegen einander.En'Iich erschlugen' die Söhne Börs ,dcn R esc» des Eises, zöge«seinen Leichnam in den Urgrund, und schnsen daraus die Welt;aus seinem Blute Meer und Flüsse, aus semem Fleisch sie Erde,aus seinem Haar das Grrs, Felsen aus den Knochen, und Sterneund Klippen aus ken Zähnen und den zerschlagenen Kiefern. Leiseinem Kopfe aber m.-chten sie den Himmel, den sie sie er die Erdemit seinen vier Enden setzten, an deren jedes sie einen Zwerg stell-ten, Austre, Wesire, Sudre, Rordre. Die aus Mußpell-heim herübergeflogenen Lichter und Funken aber nahmen sie und sei-len sie oben an den H'mrncl, damit sie der Erde leuchten sollierr.Amecs Hirn warfen sie in die Höbe, und daraus entstanden duWolken. Einst aber wandelten die Söhne Börs am Meeresstraride,wo sie zwei Blöcke fanden. Diese hoben sie auf, und schufen dar-aus zwei Menschen; das Männlei» nannten sie Askur (Esche),das Wciblein Embla (Erle). Der eine gab ihnen Leben undSeele, der zweite Bewegung und Vernunft, der dritte Antlitz, Spra-che, Gehör und Gesicht. — Diese Weltentstehungelehre spricht sichselbst aus als nordische Natursichtung. Wir sehen die Natur ausdem Tode des Winters ins Leben übergehen, und den Anfang derWelk an die Beobachtungen eines Frühlingstages geknüpft. 2u>Nordland konnle sie nicht anders als aus dem Riesen des Eiseihervorgetzn; bdS aber muß die-er seyn, weil durch den Winter al-les Schöne der Natur gehemmt wird. So wer's-t uns alles auf phy-sikalische Allegorie hin, die in der That nicht schlechter ist als irrandern Mythologien, ja zum Theil wohl gar sinniger. Dahin ge-hören folgende Supplemente zur Kosmogonie, die noch nicht been-digt seyn kann, denn Lag und Rächt, Sonne und Mond sind nehnicht da. Von deren Entstehung aber lautet es also: Der RieseFinster (Niörwi, Rarst) hatte eine Tochter, Namens Nacht(Rott), schwarz und düster wie ihr.Geschlecht. Diese vermählte sichdrei Mal, und zeugte zuerst mit Nageifari (Lust, Äther) einenSohn, Audur (Stoff, Borrath), dann mit Anar (Bildungstried)die Jörd (Erde), Endlich aber mit Dellrngur (Dämmerung)den Dagur (Tag), der licht und glänzend war wie seines Va-ters Geschlecht. Allfadur nahm hierauf Nott und Dagur zu sich,und führte sie hinaus an den Himmel, und gab ihnen Roß undWagen, jeden Tag die Erde zu umfahre». Nacht ritt voran ausihrem Rosse Du n ke l mä h ne, das jeden Morgen die Erde mitdem Schaume seines Gebisses berhautc. Dagurs Roß Glanzfmahne erleuchtete mit feiner Wähne Luft und Erde. — Zweischöne Kinder hatte Mundilfari (Ächiebeweger), die hießen Soolund Maan (Soyne und Mond), Stolz auf seiner Tochter Schön-heit, vermählte er sie an Glemur, den Gott der Freude. D"Götter, erzürnt ob dieser Anmaßung, nahmen beide Kinder undversetzten sie in den Himmel. Sool mußte die Rosse lenken, dieder Sonne Wage» zieh», Maan die Rosse aii des Mondes Wagen,und über Ab - und Zunahme desselben wachen. — So weit magdie älteste Mythologie gehn, in welcher aus den Wurzeln der Na-tur Rielenstämme emporwachsen und in göttliche Aste und Zwerge«uSschlagen. Merkwürdig ist es, daß auch hier Riesen um den