Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
721
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Nordische Mythologie 721

!« i Ugrund der Zeit lagern , und die Herren des Himmels, der Erdedei end der Unterwelt zeugen. So sind auch in Griechenland Gigan»d» teil, Titane« und Cyclopen die Ahnherrn der Götter. Hier wied"> dort geht es von Naturideen aus und auf sie zurück; hier wie dortM aber verdrängt ein neues Göttersystem das alte, und in dieEi Naturideen mischt sich historischer Stoff. Das Alte und Neue aberrd<> scheint Odin zu vermitteln, wie bei den Griechen Zeus. OffenbarM muß man einen ältern und jüngern Odin unterscheiden. Jener warSymbol und Gottheit der Sonne, und man hat von ihm mancheri! liebliche Dichtung, z. B. von seiner Vermählung mit dem Erdkreise,el>- seiner täglichen Liebschaft mit der Göttin der Gewässer, zu welcher^ er jeden Abend untertaucht, um mit ihr den goldnen Pokal ihresch Elements zu trinken, von seinen mit den Dünsten der Mutter Erdevermählten Strahlen, wodurch der Gott des Donners erzeugt wird,E u. a. m. Alle diese Sagen aber wurden nachher auf den jüngernd<, Odin, den Vorsteher des Asencathes, übergetragen. Äsen (Lfia-ten) heißt das neue Göttergeschlecht, das mit dem jüngern Odinly, , einwanderte, «oder von ihm abstammte. Aus nordischen Chroniken"" ergibt sich, da- in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung,wenn nicht noch zuvor, Sigge, eines asiatischen Volkes, der Äsen,^ Führer, vom caspischen Meer und dem Caucasus her, wahrschein-"s lich von den Römern gedrängt, nach Nord.-Europa vordrang. NachNordwest vom schwarzen Meere ging sein Zug durch Rußland, demer, der Tradition nach, einen seiner Söhne zum Herrscher gab, s»" wie nachher den Sachsen und Franken. Er drang dann durch Cim-brien nach Dänemark hin vor, das seinen fünften Sohn Hkiöld^ . als Herrscher anerkannte, und ging nun nach Schweden, wo Gylf" «gierte, der dem wundersamen Fremdling und seiner Lehre huldigte,ss' Bald erhob er sich dort zum unumschränkten Herrscher, baute Sig-tun« zum Mittelpunkte seiner großen Reichs, begründete eine neue^ Gesetzgebung und einen neuen Cultus. Er selbst nahm den Name»Odins an, setzte die Priesterschaft der zwölf Dxottars ein, wel»l che den Geheimvievst und die Rechtspflege besorgten, als Seher iw^ ^ die Zukunft blickten und wahrsagten. Erfinder der Runen machte> er sich auch als Zauberer gefürchtet. — Die Äsen aber, d. i. dieGötter des neuern Skaldcnhimmels, sind folgende: Odin (Wo-^ öan bei den Sassen und Langobarden, Godan, Wodden in derEdda, Evwthe» bei den Angelsachsen, Oden, Wode, Woed«,« Gode), der Gott der Götter, der erste und älteste Aller, der Jahr-

Hunderte durch immerdar lebt. Er sitzt auf dem erhabenen Thron,allein mit sich, sich selbst betrachtend. Zwölf Hauplnamen hat er' j >m alte» Asgard und 174 andre. Sl eigner heißt sein flüchtiges^ Roß. Von ihm und seiner Gemahlin Frigga stammt das Götter-

, ^schlecht, und er heißt deßhalb Alfadur, Allvater, Frigga,

des Görterkönigs erhabene Gemahlin, theilt mit ihm den wunder»/ baren Thron, von dem man in alle Lande sehen kann. Aller Men-

. schen Schicksal ist ihr offenbar, ruht aber verschwiegen in ihrer

r Aust. Söhne beider sind Thor, der Gott des Donners, alter

. Götter und Menschen stärkster, dessen gewaltiger Fußtritt w:e Sturm

' «tönt, dessen Hammer, Miölner, auch das Härteste zermalmt; und

° Balder, der jugendlich schöne Gott der Beredsamkeit und recht-

' Lchen Entscheidung. Er tritt einher, im Glänze ähnlich der Lilie.

Der Unschuldige ist er, dem zu Ehren die weißeste Blume den Na»men Baldrian erhalten hat, Naiina, Gewars Tochter, seine?<mv. kex. (N. ) VI 4ü