Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
742
JPEG-Download
 

742 Notabcln

aller Stände, übersetzt, so hat man es nicht nur buchstäblichverdeutscht, sondern zugleich den richtigen Begriff, der damit zuverbinden ist, ins Helle gebracht. Obgleich in mehrern europäischenStaaten die vecschiednen Stände derselben sich versammeln, um sichüber das Wohl derselben zu berathschlagen, wie z. B. in EnglandLas Parlament, in Schweden der Rcichsrath, in Holland die Gene- !ralstaasen und in Spanien die Cortes, so findet doch nur in Frank-reich die Benennung von Notabel» Statt, Ihrer geschieht inden ältern Annalen dieses Staates mehrmals, zuerst aber einer Zu-sammenkunft derselben, die von einiger Bedeutung war, im I.ibiz Erwähnung. Nachdem Heinrich IV. unter den DolchstichenRavaillacs gefallen war, bemächtigte sich dessen Witwe, Mariavon Medicis, der Regentschaft für ihren unmündigen Sohn,Ludwig XIII. An ihrem Hofe bildete sich ein mißvergnügterBund, an dessen Spitze der Prinz He ist r ich von Conde stand.Nachdem man sich mit ihm in Vergleichsunterhandlungen eingelassenhatte, erklärte er in einem Schreiben an die Königin, das abermehr das Ansetzn eines Manifestes hatte, daß er zu den Schritten,die er gethan, durch die Verwirrung der Finanzen, durch die Be-rufung unwürdiger Menschen zu den ersten Stellen im Staate,durch das den Ministern eingeräumte übermäßige Gewicht, durchdie Geringschätzung der Prinzen und Pairs, durch die Hindernisse,die man den Parlamenten bei der Ausübung ihrer Gerichtsbarkeitin den Weg lege, durch den Verfall des Adels, durch den hohenPreis, um welchen die Gerichtsstellen verkauft wurden, durch dieUnterdrückung des Volks, durch die Nachlässigkeit in Ver-sammlung der Stände, und durch die Übereilung, mit derman die Hcirath des Königs vor seiner Volljährigkeit geschloffen !habe, veranlaßt sey. Er drang am Schlüsse darauf, daß binnen !drei Monaten eine Reichsversammlung veranstaltet, und bis jdahin die Doppelheirath und Vermählung des Königs mit der spa- iNischen Prinzessin Anna Maria, und des Prinzen von Astu-rien, Philipp, mit der ältesten französischen Prinzessin, Eli-sabeth, ausgesetzt werde. Die verlangte Zusammenkunft der An-gesehensten des Reichs ward bewilligt, und in einem zu St. Me-nehoud zwischen der Regentschaft und den Mißvergnügten amiZten Mai abgeschlossenen Vergleiche noch näher bestimmt,, daß dieerwähnte Zusammenkunft spätestens bis zum ngsten August ausge-schrieben werden solle. Die Regentin verschob den von ihr bewillig-ten Aufruf an die Etats generaux bis zum October, und theilteendlich, als sie nicht länger ausweichen konnte, sie in drei Kam-mern ein. Die erste bestand aus 140 Deputirtcn der Geistlichkeit,worunter fünf Cardinäle, sieben Erzbischbse und 47 Bischöfe waren;die zweite aus izs Abgeordneten des Adels, und die dritte aus182 Repräsentanten der Städte. Sie versammelten sich in dreibesondern Sälen des Augustincrklosters zu Paris, und bereitetensich durch ein dreitägiges Fasten und einen allgemeinen sehr feierli-chen Umgang zu ihren Arbeiten vor. Dieser frommen Einleitungungeachtet, war diese Versammlung von keinem weiter» Erfolge,als daß nach einer Menge von Federungen, Vorschlägen und Dis-kussionen (deren hier keine Erwähnung geschehen kann), die zwi-schen den Mitgliedern derselben obwaltenden Mißhelligkeiten, derenFeuer vom Hofe angeschürt wurde, immer Heller aufloderten. In-dessen verdient doch hier bemerkt zu werden, daß an den Berath-