Notcnsetzer Nothfall 75 r
die darin vorkommenden Noten mit der Schreibfeder eingezeichnetworden zu seyn scheinen.
Noten setz er. Da es Musiker gibt, welche in gewissen Au-genblicken der Begeisterung oft glücklicher auf dem Piano pbantasi-ren, als sie mit Absicht und Bewußtseyn zu cowponiren im Standesind, so hatte man schon längst gewünscht, eine Maschine erfundenzu sehen, welche, mit dem Fortepiano in Verbindung gebracht, diePhantasien des Künstlers sogleich auf Noten setzte und so fest Meile.Die erste Idee eines solchen Instruments wurde der Welt in den, philosophischen Transaktionen (pl,i 1 o«opiiic-l trän,-, lion») derlondncr Akademie der Wissenschaften vom I. 1747 (Nr. 48z) alsErfindung eines englischen Geistlichen, Namens Crecd, m-tgerheilt,ohne daß jedoch die nähere Angabe der Ausführbarkeit der Ideehinlänglich bewiesen war- Um das I. 1745 gerieth Hr. Unger, da-mals Landsyndikus und Bürgermeister zu Eimbeck, nachher braun-schweig-lüneburgischer Hofrath und erster Geheimsecrelär, ohne vonCreeds Abhandlung Kenntniß zu haben, auf dieselbe Idee, undseine Borschläge zur Ausführung wurden im I. 1752 von der berli-ner Akademie der Wissenschaften gebilligt, jedoch nicht bekannt ge-' macht. Ein Mitglied dieser Akademie, Hr. Sulzer, veranlaßte durchdie Mittheilung emer unvollständigen Beschreibung dieser ungerschenIdee, den Mechanikus Hohlfeld, einen Sachsen (geb. zu Henners-i dorf 1711, gest. 1771) sogleich die Hand an die Ausführung zirlegen. In denibiouvosnrrrVIoinoire» ü« i'-caüömie roz-Ie üe» »cien-co» er ües bslios lerrres -> kerlin vom I. 1771 findet sich eine ooll-i ständige und mit zwei Kupfertafeln versehene Beschreibung der vonHrn. Hohlfeld erfundnen Maschine von Sulzer. Auch Üngcr gabim I. 1774 eine Beschreibung eines Notensetzers, wie er nach seinerIdee gemacht werden sollte, heraus, ohn« daß jedoch dieser Vor-schlag von irgend einem Künstler ausgeführt worden wäre. Diehohlseldische Maschine enthält zwei Cylinder; um den einen dieserCylinder ist das mit Notenlinien bezvgne Papier gerollt, welchersich während des Spielenö durch ein Triebwerk von der Nolle lös't,durch die angebrachten kleinen Bleistifte mit den Noten deren Tönedas Fortepiano angibt, bezeichnet wird und sich so beschrieben mit' ' Hülfe jenes Triebwerks auf den zweiten Cylinder aufrollt. Die. Akademie der Wissenschaften hat diese hohlseldische Maschine durch^ Kauf an sich gebracht. Zu verwundern bleibt es, daß ein so nütz-liches Instrument seit jener Zeit nicht vervielfacht, und von allengroßen Künstlern benutzt worden ist.
> Nothfall, Nothrecht, Nothwehr. Es gibt Fälle immenschlichen Leben, in welchen Handlungen, welche durch ein Gesetz
> verboten sind, durch besondre Umstände erlaubt oder wenigstensi straflos werden. Einen solchen Fall nennt man im Allgemeinen
einen Nothfall. Ein Fall dieser Art ist z. B. der, wo die eigent-lich sogenannte Nothlüge eintritt, d. i. der Fall, in welchem, man, um sich selbst oder Andre vor gewaltsamen und widerrechtliche»
! Verletzungen zu schützen, eine Unwahrheit sagt. Im engern Sinnei nannten die Lehrer des Naturrechts also einen Fall, in welchem dieNatur oder die Umstände Handlungen, welche sonst strafbar undrechtswidrig seyn würden, straflos machen, oder ihre Strafbarkeitwenigstens mildern. Hieber rechnete man das berühmte Beispiel vondem Brete, oder den Fall, daß zwei auf einem Brete, das nureinen rettest kann, auf dem Meere schwimmen, und der eine den