Nürnberg 761
Bischöfe zu Würzburg, Spcier, Hildeshekm und Lüttich eine Oppo-sition, die die emser Punctationen nicht zur Ausführung kommen ließ.
! Joseph II. konnte die Erzbifchöfe wegen der Unzufriedenheit seiner. eignen Unterthanen nicht mehr unterstützen, und da nach seinem Tode§ i7yo der Papst eine förmliche Rectificationsschrift an die Theilnehmer! des emser Vertrags erließ und Trier selbst davon abtrat, zerfiel ihr' großgedachtes Unternehmen in sein Nichts und die Nuntien blieben im! Besitze ihrer Gewalt, bis die französische Revolution mit ihren Folgenden Nuntiatnren »u Cöln und Brüssel ein Ende machte. Die zu Wienund Müncken residirenden Nuntien vermögen nichts ohne Genehmi-gung derHöfe, und nur der in der schweizerischen Revolution zwar ver-triebene aber 130z zurückgerufn« Nuntius zu Lucern genießt noch diemeisten Überreste einer Macht, die gegen die Fortschritte der neuernBildung vergeblich ankämpft. DieErzbischöfe von Salzburg, Prag undGran! in Ungarn führen noch den Titel geborner Legaten des Papstes,
! ohne darum wesentliche Vorrechte vor -andern ErzbischLfcn zu haben,i Lbigevs find die Legaten, bieder Papst von Zeit zu Zeit an fremde! Höfe schickt, nichts mehr als politische Agenten. L-
! Nürnberg, diese vormals durch ihren ausgebreiteten Handel so-berübmte Reichsstadt im fränkischen Kreise, welche selbst bei denVer»
§ äuderungen, die derReichsfriedensdepurationsschluß igoz in Deutschlandhervorbrachte, ihre alte Freiheit behauptete, und bloß mit den die Stadtschützenden Burggrafen aus dem hohenzollerschen Hause, dennachhcrigeirKönigen von Preußen, zuweilen in Zwistigkeiten gerathen war, welchedurch die preußische Besitzergreifung eines Theils des nürnbergerStadtgebiets in der neusten Zeit immer drückender für die Stadtwerden mußten, wurde darauf zum Königreich Bayern geschlagen, i»welchem sie anfangs die Hauptstadt des pegnitzer Kreises war, jetztaber die des Razatkreises ausmacht. Sie liegt in einer, wenn gleichsandigen, doch durch Cultur fruchtbar gemachten und angenehmenGegend und wird durch die Pegnitz in zwei Hälften getheilt, von de»nen die kleinere nördliche , nach der Pfarrkirche zu St. Scbald, diesebalder Seite, die südliche größere von der Kirche St. Lorenz dielorenzer Seite genannt wird. Sie enthält auf einem Flächeninhaltvon 17,686,858 Quadratschuhen in 200 meistens winklichten Gassen3284 Häuser von größtentheils alter Bauart mit 27,000 Einwohnern.Unter den Gebäuden bemerkt man das Rathhaus als eins der ansehn-lichsten in Deutschland, von 2 Stockwerken, jedes zu zo Fenstern,
: einerl'27Z Fuß langen Fa-;ade und vielen schönen und seltnen Gemähldenj besonders von Albrecht Dürer; ferner die in den Jahren 1711 bis1713 nach italienischem Geschmack wieder ausgebaute Agidienkirche,das alle Schloß oder die Feste auf einem Berge; das Zeughaus undandre mehr. Ehe der ostindische Handel durch die Entdeckung einesSeewegs eine neue Richtung erhielt, war Nürnberg einer der größtenHandelsplätze in Deutschland und Europa, indem es die von Italien ihmzugeführrew ostindische» Waaren nach dem Norden vertrieb. Der öffent-liche und Privatwohlstand der Stadt war damals außerordentlich«Der veränderte Weg des ostindische» Handels, die Aufmerksamkeitandrer Staaten auf die Vortheile des Handels, die Verheerungen desdreißigjährigen Kriegs, und das Zurückbleiben der innern Verfassungder Stadt gegen die Fortschritte des Zeitalters haben sie nach und nachvon jener Höhe wieder heruntergebracht. Indessen ist der Handel vonNürnberg auch noch jetzt vorzüglich wegen der einheimischen Manufac-turwaaren nicht unwichtig. Der wohlfeile Preis der nürnberger